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nicht zu läugnen/ daß die Teutsche expression nicht allzeit die Frantz. naturelle Art asseguirt, und daher etwa noch einig lebendige Vorsprach des docentis dabey wird vonnöthen seyn.“
Das Vergleichen mit der deutschen Muttersprache anstatt mit dem Lateinischen nimmt im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts immer mehr zu. Das ist die natürliche Folge des Umstandes, daß die lateinische Sprache allmählich immer mehr von ihrer früheren Bedeutung und weiten Verbreitung einbüßte. So meint z. B. M. Kramer(1691), der auch in syntaktischen Fragen großen Wert auf den Vergleich mit der Muttersprache legte, eine fremde Sprache lerne man viel leichter„durch Gegeneinanderhaltung der angebornen/ als einer erstudirten Sprach.“
Im 18. Jahrhundert finden wir noch das gleiche Verfahren. Wie z. B. Herbau(1708) in seinen Ausspracheregeln das Deutsche zur Erklärung heranzieht, zeigen einige Beispiele aus seiner Grammatik:
„ai Wie ein Teutsches ä: als faire machen/ raire schweigen. Nimm auß nachfolgende Wörter/ in welchen es wie ein Lat. E lautet/ 1. pai, ich hab/ je nai, ich werde gebohren/ fe scay, ich weiß.— 2. Das Futurum aller Verborum, als: je ferai, ich werde thun/ je dirai, ich werde sagen.— 3. Das einfache Perfectum der ersten Conjugation]/ als: ſ'aimai, ich hab geliebet/ e parlai, ich hab geredet.
aign Wie auff Teutsch äni/ als baigner, baden/ daigner, würdigen. Man schreibt gagner, gewinnen/ und nicht gaigner.
ail In einer Sylben wie alg/ als: atirail, Zurüstung/ bétail, das Vieh/ travail, Arbeit.
ail! Wird gelesen wie al-i oder alg/ als tailler, schneiden/ travailler, arbeiten.
aim In einer Sylb wie im Teutschen äing/ als faim, Hunger/ daim, eine Gemf.“ usw.
Aehnliche Zusammenstellungen finden sich in vielen Grammatiken ¹), wo in gleicher Weise wie bei Herbau schon Bemerkungen aus der Formenlehre(z. B. über Endungen) eingeflochten werden.
An das Lateinische schließen sich im 18. Jahrhundert noch Raucourt(1704)) und De Pratel(1715)) an, der in seiner 834 Seiten umfassenden Grammatica Burgundica sehr aus- führlich von der Aussprache handelt. P. Roux(1760, 1765) verweist in seinen Büchern wegen der französischen Aussprache ebenfalls noch auf lateinische, hauptsächlich aber auf deutsche Laute, macht aber gleichzeitig auf die Mängel dieses Verfahrens aufmerksam, so wenn er S. 8 seines „Kursen Begriſfs“(1765) sagt:„Wenn man hier sagt, daß man aim, ain etc. fast wie eng oder eing ausspricht, kan man mercken, daß in Aussprechung dieser letzten teutschen Sylbe einige etwas von a, als in dem teutschen Wort ein mercken lassen, welches aber nicht im Französischen geschehen darf. Man muß sich auch nicht einbilden, daß man das n sowohl als g, gleich wie in dem teutschen Wort eng an statt enge, oder doch etwas gelinder müsse vernehmen. Den man
1) z. B. Sarganeck, Chastel.
²) 2. B. S. 11:„Vocalis i. et O. gallice et latine eodem modo exprimuntur, vocalis autem u. eſffertur Burius et absgue adminiculo vocalis O. sed Quasi sibilus ederetur, v. g. rompu fractus, suben sur.“
3) So sagt er z. B.:»A sonum Latinis Brobrium servate oder über die beiden e-Laute, die er unterscheidet, bemerkt er: Masculinum ex accentu cognoscitur et ad Latinam pronuntiationem accedit. EFemininum... omni caret Accentu et molli eſfertur sono.— Auch mit spanischen und flandrischen Wörtern vergleicht er.


