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Auch De la Faye(1611) hält diese Methode des Vergleichens, vorausgesetzt, daß das mündliche Vorbild des Lehrers nicht dabei fehlt, für die beste: Paratur autem haec(sc. pronun— ciatio) potissimum Natura, Arte et Erercitatione, docendi caussa haec in principia interna et externa distingui possunt. Natura enim causa est remotior, et guasi uroxsiusvoy Subfectum illius: habitus, gqui Arte et Exercitatione comparatur.— Kalio autem Artis tradendae, est fidelissimi Praeceptoris: modus discendi optimus iurta MHMethodum artificialem, guae est, cum Pronuncialio haec Gallica cum Germanica confertur el perité demonstratur; et hac Methodo solä paucissimis horis Pronunciatio Gallica demonstrari potest. Ganz allgemein spricht er es aus, daß ein ersprießlicher Unterricht„in stetem Vergleich beider Idiome“ bestehe.
Mit lateinischen Lauten vergleicht Caffa(1661), ebenso Serreius, in dessen Grammatica Gallica(1618) es z. B. über den Laut a heißt: Pronunciatur ut apud Latinos oder über b.: Latinorum more leniter profertur, et non ita duriter ut P. Ided cauendum ne cum eo confundatur.
Mit deutschen Lauten vergleichen der unbekannte Verfasser der 1656 in Tübingen er- schienenen Grammatica Gallica, gelegentlich auch Oudin(1640)), Rayot(1643), A. Mey (1669), der damit ziemlich unbeholfene Bemerkungen über die Hervorbringung der Laute ver-— bindet²), Gravius(1671), der Abrégé de la Grammaire Françoise(1699), Canel(1688) Perger(1698) u. a.
Besonders betont wird das Vergleichen mit der Muttersprache von Duez in seinem Guidon (1657 ff), wo es heißt:„Darnach seynd.... alle Regeln mit Fleiß auff die Teutsche Sprach ge- richtet worden; weil ich offtmahls erfahren/ daß man einem Menschen/ so irgend eine Sprach lernen will/ auff keine bessere Weise einiger Silben oder einiges Buchstabens wahre Aussprach recht ein bilden und zu begreiffen geben kan/ als durch Gegenhaltung und Vorstellung etlicher anderer Sylben oder Buclistaben/ die in seiner Mutter-Sprach eben also(wo nicht gantz/ je- doch beynahe) lauten.“
D. Martin, der Universitäts-Sprachmeister war, konnte, wie wir aus seinem Compendium Favi(1627) sehen, bei seinen Schülern nicht nur mit deutschen und lateinischen, sondern auch mit griechischen und hebräischen Lauten vergleichen ²). Ebenso hat er umgekehrt in seinem zur Erlernung des Deutschen bestimmten Acheminement(1635) die deutschen Laute durch ähnliche französische erläutert. Es heißt deshalb schon auf dem Titelblatt dieser deutschen Sprachlehre: contenant des reigles faciles de la prononciation exprimée par le moyen du son des Lettres Françoises.
Auch Jean Meyer(1683) meint, wenn man sich schon schriftlicher Ausspracheregeln be- diene, dann sollten sie wenigstens so eingerichtet sein,„wie es des lernenden natürlicher Mutter- sprach am nächsten kommt.“ Er legt großen Wert auf den richtigen Akzent der Worte, eine gleichmäßige Betonung und leichte, fließende Aussprache. Besonders hebt er noch hervor, daß man in der gewöhnlichen Unterhaltung das e der Endung nicht aussprechen dürfe. Die Beispiele für die Unterdrückung dieser Laute hat er aus der Grammatik des Duez entnommen,„und einem Anfängling zulieb allzeit mit teutschen Buchstaben dero ontrahirten Laut exprimiret. Obwohl
¹) z. B. S. 41: Wostre eu d'ordinaire se prononce comme I' õ margué lô] des hauis Allemands.
²) Mey's Kapitel De Pronunciatione beginnt folgendermaßen:„Die Frantz. Buchstaben werden wie auf Teutsch ge- sprochen, ausgenommen: ia, ie, ii, io, iu, ge, gi, Werden wie /sch/ mit Stimm gesprochen. Die Stimme ist nur eine Auswerffung aus dem Magen, so einen Schall hat. Ohne Stimm aber ist/ wann man nur bläset, ohne Schall.“
3) Buffier(1711) stellt in einer Tabelle für bestimmte Laute französische, deutsche, englische, italienische und spanische Wörter zusammen, in denen diese Laute vorkommen, und verweist außerdem als gelehrter Grammatiker
auf das Griechische.


