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T. 1 (1915)
Entstehung
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für außerordentlich wichtig hält. Kilg(1783) sucht seine Schüler durch folgende Worte für ein gründliches Studium der Aussprache zu gewinnen(S. 122): I est d'autant plus imporlant de la bien connoitre, gque c'est souvent elle gui décide du choi des mots pour flatter l'oreille par un mélange bien assorti de diférens sons harmonieux.

Der bereits vorhin erwähnte Chastel hält bei lebenden Sprachen und besonders bei der französischen die Aussprache für einen Hauptgegenstand des Unterrichts. Er hat ihr deshalb einen besonderen Traktat¹) gewidmet, der eine Reihe beachtenswerter Bemerkungen enthält. Von Anfang an dürfe man den Schüler nicht, wie das so oft geschehe, an eine schwülstige und ge- zwungene Aussprache gewöhnen. Der Lehrer dürfe deshalb nicht nur einzelne Wörter, sondern müsse oft auch ganze Sätze mit ihrem natürlichen und im Umgang gebräuchlichen Ton aus- sprechen lassen. Was andere Grammatiker, wie ihre zusammenhängenden Beispiele zeigen), in der Praxis wohl schon längst gefordert hatten, die Einübung nicht am einzelnen, für sich be- tonten Wort, sondern an Hand von fortlaufenden Sätzen, die Beachtung der für eine natürliche Aussprache so wichtigen Satzmelodie, das ist in einer in Deutschland erschienenen Grammatik der französischen Sprache meines Wissens hier zum ersten Mal ausgesprochen.

De la Veaux(1785), der gerade in der Geschichte der Aussprachelehre eine besondere Rolle spielt, weil er völlig bewußt nicht mehr vom Schriftbild, sondern von dem gesprochenen Laut ausgeht, fordert deshalb für diesen Teil des Unterrichts mündliche Unterweisung:Das einzige Mittel, gute Aussprache zu erlernen, besteht darin, einen guten Lehrmeister anzunehmen. Aus dem gleichen Grunde verlangt Hezel(1799)) von dem Sprachlehrer, daß er, wenn er auch kein vollendeter fran- zösischer Sprachkenner zu sein brauche, wenigstensdie ächte Aussprache oder den richtigen Accent habe. Von diesen beiden Methodikern wird weiter unten ausführlicher die Rede sein.

1) Traite méthodigue de la bonne prononciation et de l'orthographe francoise. Gießen 1781. Dies Buch ist ein vor- bereitender Kurs für den 1792 erschienenenVersuch't.

²) Sätze und Dialoge.

3) S. 16 seines Elementarwerkes.