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T. 1 (1915)
Entstehung
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sprache hinzuweisen. Erst recht geschah das natürlich in den ursprünglich für Franzosen be- stimmten Lehrbüchern.

Mehr dem mündlichen Unterricht weist Lasius(1734, S. 30 seines Quinque folium) die Aus- sprache zu. Er hält sie für das Schwerste bei der Erlernung der französischen Sprache, betont deshalb auch die Notwendigkeit steter Uebung, wie er überhaupt mehr für eine induktive Ge- winnung der Sprachkenntnisse ist ¹).

Ob und inwieweit die Aussprache im französischen Unterricht der früheren Jahrhunderte gepflegt wurde, das hing vielfach auch von der Person des Lehrers und seinen Kenntnissen ab. Wurde das Französische von einem Deutschen, etwa dem Lateinlehrer gelehrt²), so wird die Aussprache im mündlichen Unterricht keine so große Rolle gespielt haben; lag dagegen der Unterricht in den Händen eines Franzosen, so nahm die mündliche Unterweisung in der Aus- sprache oft einen sehr breiten Raum ein. So wird dem Lektor der Gießener Universität, Chastel, der als Verfasser verschiedener grammatischer Werke bekannt geworden ist, einmal seineauf die höchste Pünktlichkeit getriebene Unterweisung in der Aussprache vorgeworfen ³). Chastel nahm es eben mit seinem Unterricht sehr genau. Auch verfügte er im Gegensatz zu vielen seiner in Deutschland unterrichtenden Landsleute über grammatische Kenntnisse nicht nur seiner Muttersprache, sondern auch des Lateinischen und Deutschen).

Gerade unter den früheren durch Deutschland vagabundierenden Sprachmeistern französischer Herkunft waren die meisten nicht imstande, einen methodisch geregelten Unterricht zu erteilen). So meint Du Grain(1738), daß manche Grammatiker nur deshalb so großen Nachdruck auf die Aussprache legten, weil es ihnen an anderen Kenntnissen fehlte:Da werden nun offt gantze Stunden über der Pronunciation eines Wortes oder Sylben zugebracht, wie nemlich das s und æ in der Pronunciation zu unterscheiden, das d und t, das 5 und usw. Es ist dieses alles an sich sehr gut und nöthig, aber daß man Mücken seiget und Camele verschlucket, darüber wundere ich mich, dann da können manche wohl ein eintzeln Wort gar nett aussprechen, aber nicht drey oder vier zusammensetzen.... Sonderlich wann sie Fragen wollen formiren. Du Grain hält es für zwecklos, allzuviel Mühe auf die Aussprache zu verwenden,da doch kein Hoch- teutscher nimmermehr oder selten er mag auch einen Maitre haben wie er will, einen gewissen Unterschied unter 5 und, d und!, unter und se, wird erlangen können, wie Herr Rädlein recht davon zaisonnirt, dannenhero alle angewandte Mühe in Wind gehet.(Vorrede 1719.)

lm übrigen ist Du Grains Grammatik das sei hier nur nebenbei erwähnt keineswegs schlecht, sondern führt den Schüler vollkommen methodisch in die Sprache ein und leitet geradezu vorzüglich zu ihrer praktischen Beherrschung an. Auch in seinen zahlreichen Beispielen hat dieser Grammatiker weniger auf den Inhalt, als auf die sprachliche Nützlichkeit gesehen, denn er hat sichkeine Khetoric noch Oralorie, wie auch keine andere Sientiam zu dociren vorge- nommen, sondern bloß Grammalicam in Praxin zu bringen, und Mund und Zunge, ja auch das Gehör und die Feder Rabiles zu machen, daß sie auf alle Fälle geschickt seyn sich fein geschwind zu exprimiren, und andere recht zu verstehen.

Großen Wert legt Curas(1739) 6) auf die Aussprache.) Ebenso läßt es auch Mauvillon (1754) nicht an entsprechenden Uebungen fehlen, da er eine gute Aussprache und guten Akzent

¹) Vgl. Streuber a. a. O. 115 und 119. 4

²) wie z. B. am Pädagogium zu Helmstedt(1779/80). Vgl. Monum. Germ. Paed. VIII, 464 und 473.

3) Vgl. Behrens a. a. O. 332 und 335.

4) Vgl. Behrens a. a. O. 333.

5) Vgl. Streuber a. a. O. 91.

6) Aus der Grammatik des Curas hat Jean Rondon seineNVeue fransz. Sprachlehre(1792) fast wörtlich abgeschrieben. 7) Vgl. Lehmann a. a. O. 31.