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von keinem Authore geschrieben noch außgangen. allen liebhabern dieser sprach/ zu Nutz und Gefallen/ beschrieben und in Druck verfertiget/ durch Michaelem Potier d'Estain/ von Orliens/ Frantzösischen Schul-Schreib- und Rechenmeistern. Notarium publicum und Burgeren zu Essen. Gedruckt zu Cölln/ in verlegung Balthasaris Clipej/ vor S. Paulus im Beumgen/ im jahr 1603.“
Von besonders eigenartigen oder glücklichen Anweisungen zu dieser rechten und reinen Aussprache ist in dem Buche allerdings nichts zu finden; nehmen wir zu seinen Gunsten an, daß der mündliche Unterricht das Fehlende ersetzen sollte. Das auf dieser Grammatik fußende Plagiat von Lubinus(1604) enthält nur einige Regeln über die Aussprache, sonst bloß Para- digmen und Verzeichnisse von Adverbien, Konjunktionen u. dgl.
Großen Wert legt Bernhard(1607) auf die französische Aussprache ¹), denn auf ihrer voll- kommenen und leichten Beherrschung beruhe die ganze Anmut und Lieblichkeit der französischen Sprache ²). Er sucht sie zu charakterisieren als celerrimam, volubilem, suavem, nullo consonantium concursu scabrosam aut confragosam, nullague duritie et asperitate retarqatam. Allen Studierenden (guibus per fortunas licet) rät er, daß sie frühzeitig Unterricht nehmen bei guten Lehrern, die ihnen die Aussprache mit„lebendiger Stimme“ zeigen. Denn von selbst(άνouαs eis, nullo prae- eunte duce et doctore) könne man die französische Aussprache unmöglich lernen.
In gleicher Weise betont De la Grue(1664, 1671) den Wert einer korrekten Aussprache (S. 1): Quoad pronunciationem, nemo dubitat guin sit id, guod magis in omnibus linguis reguiratur: cum nihil sit è contra, quod sermonem deformiorem reddat, guam mala pronunciatio, cum ab d omnem gratiam, et ornamentum auferat: et licel in conversatione magis peritorum possit acquiri, nmehilominus regulae dari possunt, guae êon medliocre memoriae, Supplementum afferent, et qude pro temporis opportunitate, legi poterunt et addisci.
Spalt(1626) sagt, daß es bei der Spracherlernung auf zweierlei ankomme: 1) Copia voca- bulorum usitatorum und 2) genuina singulorum pronunciatio. Darauf müßte von Anfang an gesehen werden: Haec duo inguam Hrimo aggressu, prima lectione conjugi debent necessario.
Großen Wert legt auch Duez auf die Aussprache, besonders in seinem Vray et parfait Guidon(1657 ff.), wovon weiter unten an entsprechender Stelle die Rede sein wird.
Betrachtet Rayot(1640) une naive prononciation als das Ziel des Unterrichts, so hält auch Maupas(1625) die gute Aussprache für eine Hauptsache. Und Joli(1669) verlangt von dem Lehrer des Französischen nicht nur, daß er die Regeln der Grammatik richtig erklären könne, sondern daß er auch eine gute Aussprache besitze,„welche der wahre und feste grund ist/ worauff man die vollkommenheit dieser Sprache bauen muf.“
Hat Biju(1676) seine ganze Grammatik dem modernen Sprachgebrauch angepaßt(usui moderno... accommodata), so sehen andere Grammatiker wie Gravius(1671) und Collmard (1688) vor allem darauf, daß die Schüler die richtige, zeitgemäße Aussprache lernen.„Alles nach der Schreibens-Art und heutigen Sprach eingerichtet“, heißt es bei Herbau(1708). Ebenso ver- sichert Curas(1769), die neueste Schreibung der Akademie angewandt zu haben, und der Berliner Nachdruck der weitverbreiteten Grammatik von Des Pepliers(1736) enthält auf dem Titel u. a. den Zusatz:„aufs fleißigste verbessert, mit einem vollständigen Unterricht von der heutigen und nach der allerneuesten Frantzösischen Manier eingerichteten Orthographe und Prononciation.“ Doch wie man sich nicht eine provinzielle Aussprache angewöhnen dürfe, fügt Chiflet(1673) hinzu, so dürfe man sich auch nicht gleich jede neue Aussprache, die auftauche,
¹) Ante omnia igitur perfecte lægere et bene pronunciare disces, sagt er einmal in seiner Grammatik. 2²) Vgl. die S. 1 von dem späteren Marius Iitierte Stelle.


