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bereits Palsgrave(1530), wie sich schon aus der Vorrede zu seinem Eclaircissement de la langue Française(Seite XV ff.)) ergibt.
In gleicher Weise wird in den ältesten in Deutschland erschienenen Grammatiken auf die Wichtigkeit einer guten Aussprache hingewiesen.
Ohne Jahresangabe, aber wahrscheinlich schon um das Jahr 1543 ²) erschien in Köln von Glaude Luython(Luiton) eine besondere Aussprachelehre in 18 Regeln: Iustructio gallice descripla, continens decem et octo Canones gquibus guisgue facilé et perfectée legere et loqui Gallicé adldliscel.
Pillot, der Verfasser der uns bekannten ersten vollständigen für Deutsche bestimmten Grammatik, schreibt in der seiner Institutio(1550) vorangehenden Epistola: Initium ab elementis et literis feci, de guarum potestate, et pronunciatione, simulgue de orthographia, quantum satis esse buto Scripsi.
Allerdings hielten es die Grammatiker des 16. Jahrhunderts noch nicht für ihre Aufgabe, die Aneignung der Aussprache durch ausführliche grammatische Regeln erleichtern zu sollen. Sie beschränken sich deshalb auf das nach ihrer Meinung Notwendigste und stehen, in der richtigen Erkenntnis der Unzulänglichkeit der ihnen für eine schriftliche Erklärung der Sprachlaute zur Verfügung stehenden Mittel auf dem Standpunkt, daß die Aussprache viel besser durch Uebung, durch mündlichen Verkehr mit französisch Sprechenden gelernt werden könne als durch Regeln. So sagt Pillot in seiner Grammatik(S. 4): Literae pleraegue omnes sonum et usum varium atgue multiplicem habent, id guod freguens lectio facilius docebit guam praecepta.
Aehnlich drückt sich der von Pillot abhängige Jo. Garnier(1558) aus: Supervacaneum fudicavi, hic in limine multa tractare de Literis, èllabis aut Diphthongis. sus enim(qui omnium artium magister est) freguens et assiqua lectio haec omnia facilè indicabunt. Und Du Vivier(1566) sagt gelegentlich auch einmal:„Das man aber sicher Regulam soll geben, wannehr daß man die brauchen soll oder nit, ist nit wol müglich: denn daß ist in der übung gelegen.“ ³)
Auch im 17. Jahrhundert wird die Wichtigkeit der Aussprache betont. Nur begnügte man sich jetzt nicht mehr so sehr mit dem Hinweis auf den mündlichen Unterricht— obgleich dieser eigentlich stets und mit Recht die Hauptrolle gespielt hat—, sondern man verwandte auch in den Lehrbüchern mehr Sorgfalt auf die Aussprache.
So widmet Cachedenier in seiner zum Besten der deutschen Jugend geschriebenen
Introductio ad linguam Callicam(1601) der Aussprache 97 Seiten, Du Val(1604) 138 und Knobloch(1650) 144 Seiten.
Potier d'Estain stellt in seiner Grammatik die Aussprache in den Vordergrund; wenigstens fordert er, daß die Schüler zunächst„recht und rein Pronuncijren“ lernen müßten. Auch auf dem Titel weist er bereits darauf hin. Der Kuriosität halber führen wir den umständlichen Titel von Potier d'Estains Buch an:„Grammatica Gallica, rerum et verborum copiosissima. Wie man die gantze frantzösische Sprach/ Recht/ Rein und Native Pronuncieren usw. und ohn einige Mühe und arbeit/ von sich selbst/ zu volkommener Wissenschafft derselben kommen soll: sampt einer vorred/ darin neben andern/ zu sehen/ wie die Frantz. sprach per Collationem analyticam, mit dem Latein und Griechischen übereinstimmen/ und sich/ codem significato, vergleichen thut/ wie sulchs mit vielen Exempeln/ dargethan. zu Deutsch und Latein: welche dergestalt/ biß anhero/
¹) Ausg. v. F. Génin(Paris 1852) in der Collection de Documents inédits sur l'llistoire de France, IIe Sörié. ²) Vgl. Stengel in Zeitschrift für franz. Sprache und Literatur XII, 290. 3) Vgl. Stengel, Ausgaben und Abhandlungen LXlIll, 9.


