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das übrige dem Gebrauch und der Information d'un Sçavant et habile Maistre de Langue, nalif D'un Lieu, ou il n'y ait aucune corruplion de Prononciation et de Langage.
Aubry(1705) und Rädlein(1729) rühmen Blois und Orléans ihrer guten Aussprache wegen, und Plats sagt in seinen Dialogen(1757, S. 46) über Blois: Cest la ville de France, ou Von parle le mieur. Auch Rouen, Calais und Dieppe sollen ihrer Aussprache wegen noch gerühmt worden sein, wie Boerner und Stiehler“) erwähnen.
Als Vorbild der französischen Aussprache galt den ältesten Grammatikern keineswegs die Sprache des Hofes, vielmehr betrachtet Des Autels(1551) den Hof und die feine Gesellschaft als die Urheber der Verderbtheit der Aussprache²). H. Estienne erhebt sogar ähnlich wie Malherbe und Régnier in scharfem Gegensatz zu den Mitgliedern der Plejade die Sprache des Volkes auf den Schild).
Wenn Cicero“) in Hinsicht auf die lateinische Orthographie gesagt hatte: Dum loquendi hopbulo concessi, scientiam mihi reservavi, so räumt De la Ramée mit ähnlichen Worten dem Gebrauch der Sprache durch das Volk die Regelung der Aussprache ein: si dest au Heuple de firer la prononciation, c'est aur savanls de réögler L'écriture ⁵).
Ueberhaupt wurde dem Usus, dem Gebrauch von vielen Grammatikern große Bedeutung für das Sprachleben beigemessen, ja manche nennen ihn geradezu den Tyrannen der Sprache. Kein Wunder deshalb, wenn der Gebrauch und die mündliche Uebung für die Erlernung der Aussprache, die ja besonders viel der Gewohnheit unterworfen ist, als bestes Mittel immer wieder genannt werden. ⁵)
Ein Haupterfordnis war deshalb auch, daß der Lehrer mit den Eigentümlichkeiten und Schwierigkeiten der Aussprache genau vertraut war. Viele Grammatiker, vor allem natürlich solche französischer Herkunft, hielten aus diesem Grunde Franzosen für am besten geeignet, Fremde mit der französichen Aussprache bekannt zu machen. Diese Forderung, daß der Aus- sprachelehrer ein Franzose sein müsse, wurde besonders im 18. Jahrhundert erhoben. Daß das vorher nicht geschah, erklärt sich wohl daraus, daß bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts— von geringen Ausnahmen wie Doergang(1604), Knobloch(1650), M. Kramer(1696) und einigen anderen abgesehen— die meisten Sprachlehrer und Verfasser von Grammatiken geborene Fran- zosen waren. Erst im 18. Jahrhundert, seitdem sich in Deutschland ein besonderer Stand fremd- sprachlicher Lehrer zu entwickeln begann, machten Deutsche den franzöõsischen Maitres Konkurrenz.
Viele Grammatiker gaben schon auf den Titelblättern ihrer Bücher an, daß sie aus Frank- reich stammten(z. B. De la Grue, 1654: Natione Gallus); vielfach nannten sie sogar ihre Heimats- stadt, hauptsächlich wenn sie sich der Aussprache wegen damit rühmen konnten. So bezeichnet sich der aus Orléans stammende Phil. Garnier(1607) stets als Aurelianensis?), Ch. Maupas (1607) als Bloisien, Paul Festeau(1685) als Nalive of Blois, a City in France where the true of the French Tongue is found by the Unanimous consent of all EFrench-Men, oder Neretti(1697) u. a. fügen ihrem Namen zur Empfehlung Parisien bei.
1) Boerner und Stiehler a. a. O. 346.
²) Gerberding a. a. O. 20 und 21.
³) Vgl. Clément a. a. O. 452.
4) Conform., p. 57/58, zitiert von Clément a. a. O. 453. 5) Zitiert von Thoene a. a. O. 4.
6) Vgl. S. 5,6 und 9 dieser Abhandlung.
7) Vgl. Kemmerer a. a. O. 7.


