— 2—
in den auch sonst sehr knappen„Onentbehrlichen Anfangsgründen«¹) von Chapuset(1750). Berjon(1679) erledigt die Lehre von der Aussprache auf nur einer Seite. Er zählt die Buch- staben alphabetisch auf, trennt nicht einmal Vokale und Konsonanten, sondern unterscheidet nur Simhlices und Diphtongos.
Derartige Beispiele sind jedoch ganz vereinzelt. In den meisten Grammatiken, vor allem in den bedeutenderen, wird der Aussprache große Sorgfalt gewidmet, oder es wird wenigstens auf die Wichtigkeit einer guten Aussprache hingewiesen und ihre genauere Einübung dem münd- lichen Unterricht anheimgestellt.
Schon in den aältesten Anleitungsschriften zur Erlernung der französischen Sprache ²) ist von der Aussprache und der Rechtschreibung die Rede. So hat der Engländer M. T. Coyfurelly schon im 15. Jahrhundert für seine Landsleute einen Tractatus Orthographiae gallicane bearbeitet, worin er— ebenso wie Barcley(1521) und Holyband)— auch provinzieller Ausprache- eigentümlichkeiten gedenkt. Während diese Grammatiker es noch für nötig halten mußten, die Fremden, für die sie schrieben, mit der Aussprache und Schreibung verschiedener französischer Dialekte bekannt zu machen), die auch H. Estienne ganz mit Recht als eine Zierde und Be- reicherung der Sprache ansah, wird in der Folgezeit immer mehr die die Oberhand gewinnende Sprache von Paris, daneben die Aussprache bestimmter Städte wie Blois und Orléans als Muster empfohlen.
Bereits Barton, der den oben genannten Traktat von Coyfurelly gekannt hat, betont in seinem um 1400 herausgegebenen Donait francçois, daß er die Aussprache von Paris lehre d-la droit language du Laris et de pais la d'entour). Doch machen schon Grammatiker des 16. Jahr- hunderts, wie Tory, Beza, Palsgrave, Dubois und Pillot, sowie Oudin im 17. Jahrhun- dert auf verschiedene Fehler der Pariser Aussprache aufmerksam ⁵). Pillot z. B. bemerkt dazu, daß in Paris vielfach im Auslaut durch s ersetzt wurde: bigue verò id faciunt Parisinae mulier- culae, guae adeo delicatulae sunt, ut pro pere, dicunt peze, pro mere mesze. Verum gui egregle logui volunt, aut medio guodam sono asperitatem istam temperant, aut certé adeo leniter erprimun!, ut vir audiass). Phil. Garnier(1607) spricht sich abfällig über die Aussprache der Lothringer, Savoyarden und Niederburgunder aus).
Marin(1680) erwähnt besonders, daß er aus Paris stamme, wo man die französische Sprache rein spreche und schreibe. Einen solchen Lehrer wie sich setzt er auch für die Benutzer seiner Grammatik voraus. Denn er zählt nur die wichtigsten Ausspracheregeln auf und überläßt
¹) Der Titel, wie ihn Stengel in seinem Verzeichnis(Nr. 344) für die Aufl. v. 1750 angibt, stimmt nicht genau, sondern lautet:„Unentbehrliche An fanssgründe der Frans. Sbrache und derselben nützliche Anwendung nebst einem Anhang einiger Eranzösischer Gespräche.“
²) Vgl darüber Stengel in Zeitschrift für neufranzösische Sprache und Literatur I, I ff.
3) Ueber ihn vgl. Farrer a. a. O. 34.
4) So sagt Barcley(1521): Here after foloweth a smal treatyse or introductory of ortography or true wrytynge, wherby the dyligent reder may ée in fourmed truly, and perfytely to wryte and pronounce the frenche tunge after the dyuers customes of mang/ countrees of fraunce. For lykewyse as our englysshe tunge is dyuersli, Soben and varyelh in certayne countrees and shyres of Englande, so in mang countrees of fraunce varyeth theyr langage as byr this treatvse euidentl] shall apbere to the reder. Zitiert nach Ellis a. a. O. III, 805.
Vgl. Lütgenau a. a. O. 49 über Palsgrave(Dubois„Beza, Pillot und Oudin), a a. O. 40 über Beza und Serreius; Lange a. a. O. 18, Anm. 3 und 46 über Tory, a. a. O. 32 und 45, Anm. über Beza, a. a. O. 22 über Peletier, Beza und Bovelles.
⁶) Vgl. Stengel, Zeitschzift für franz. Sprache und Litteratur XII, 267.
7) Vgl. Lehmann a. a. O. 15.
5
—


