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3,[1] (1897) Römische Inschriften des Mainzer Museums / zsgest. von K. Körber. Mit 100 Zinkätzungen nach Faks.-Zeichn. von Heinrich Wallau
Entstehung
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Apex über V ist wohl unbeabsichtigt, aber alt. Z. 5 und 6 liegt Construktions-Wechsel vor, eine Nachlässigkeit, die mit der Schrift im Einklang steht; die zwei E am Ende beider Zeilen bestehen z. B. aus blossen Senkrechten. Nach der Formel hic situs est ist der Stein dem ersten Jahrhundert zuzuweisen.

Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 208.

72. Steinsarg der Attillia Runa, gefunden am 20. Juni 1888 beim Bau eines Fabrikgebäudes in der Rheinallee. Geschenk des Bauherrn, Herrn Geh. Commerzienrat Reuleaux. Grauer Sandstein. H. 68(mit Deckel: 96), L. 225, Br. 85, Wand- stärke 12 cm. Der Deckel ist oben dachförmig erhöht mit giebelartigen Aufsätzen in der Mitte und würfelförmigen an den vier Ecken.

ATLTILLIAERVNAEFMATRLRESPECTIVS SERWANDVSMIILDPDECVARLEGXXIITRES FECTIVS RE RESPECTINVSFILIAMBN ANDIAMAXIMINATSERVANDIVS §EVERINVSNEPOTES'F-C

1:22

D(is) Manibus). Allilliae hunae matri Respectius Servandus, mil(es) pecuar(ius) leg(ionis) XXII et Respectius Respectinus fili et Servandia Mawimina et Servandius Severinus nepotes faciendum) c(uraverunt).

Den Manen(Schattengöttern). Ihrer Mutter Attillia Runa haben ihre Söhne Respectius Servandus, Tierarzt(?) der zweiundzwanzigsten Legion, und Respectius Respectinus, sowie ihre Enkelkinder Servandia Maximina und Servandius Severinus(diesen Sarg) machen lassen.

Z. 1 D-M. auf dem Deckel. Z. 4 Doppelschreibung der Silbe RE; sie konnte nicht durch Zustreichen spurlos beseitigt werden, wie Z. 6 die ebenfalls aus Versehen eingehauene Senkrechte hinter S E; statt des P derselben Zeile scheint der Steinmetz ursprünglich ein R haben ein- meiseln wollen. Ein miles pecuarius wird nur selten erwähnt; Marquardt- Mau(S. 466) erklärt ihn für den Aufseher über die Viehherden, v. Domaszewski(W. Z. XIV, 87) für den Tierarzt, für welchen es eine andere

Bezeichnung nicht gäbe. Das Gentile der Enkel ist aus dem Cognomen ihres Vaters gebildet(s. z. Nr. 53).

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, Sp. 82.

73. Steinsarg der Lucania Victorina, gefunden beim Neubau des katholischen Pfarrhauses in Nierstein. Er stand seitdem im dortigen Pfarrhof und wurde am 26. Oktober 1893 von dem katholischen Kirchenvorstande dem Verein übergeben. Roter Sandstein. H. 70, L. 210, Br. 87, Wandstärke 12,5 cm. Rück- seite beschädigt.