Aus der zweiten und dritten Zeile ergibt sich, dass unser Bruchstück von dem Grabstein eines Soldaten der zweiundzwanzigsten Legion stammt. In der ersten Zeile würde man also die Formel MIEL(es)[LEG(ionis)] erwarten. Aber die Buch- stabengruppe MI ist von dem folgenden L soweit getrennt, dass beide schwerlich zu einem Wort ge- hört haben können, auch ist in dem Bruchrand noch deutlich der trennende Punkt erkennbar. Man wird also wohl annehmen müssen, dass der Stein-
1:10 metz(vielleicht aus Verschen) MI statt MIE ein- gehauen hat. Die vorausgehende Buchstabengruppe LI' gehörte dann zur Heimatsbezeichnung.— Am Ende der Z. 2 lassen die erhaltenen Spuren darauf schliessen, dass auf PRIGmigenia) sogleich mit AN(norum) die Alters- angabe folgte, nicht etwa weitere Legionsbeinamen.— Z. 4 gehören die Buchstaben P(od. B od. R) OTT wohl zum Namen des Mannes, der den Stein gesetzt; auffallend ist jedoch der weite Zwischenraum zwischen 0 und T.— Zu lesen wäre also mit Berücksichtigung des bei der Ergünzung der ersten und zweiten Zeile sich ergebenden Raumes:... I.I. MIIes) V.EO(ionis) XIAXIT PRI(migeniae)[A NCnorum) XX] VIII STOIOpendiorum) VII2I....— Da die Legion nur den Beinamen primigenia führt, so dürfte der Stein wohl während der Zeit ihres ersten Aufenthaltes in Mainz(43—70) gesetzt sein; sicher ist dies nicht.
e. Soldaten der Hilfstruppen.
56. Grabstein des C. Julius Hastaius(von der ersten Cohorte der Bogenschützen) und der Amoena, gefunden im Februar 1891 zu Bingen. Geschenk des Herrn Dr. P. Puricelli. Bräunlicher Sandstein. H.(von der Unterkante der Inschrift an) 128, Br. 69, D. 23 cm. In dem runden Abschlussbogen eine grössere und zwei kleinere Rosetten.
Caius) Julius Hastaius, c(o)hor(tis) sagi(ttari- orum) mis(s)icius(e!) Amoena Uiberta) h(ic) s(iti) s(unt).
Gajus Julius Hastaius, verabschiedeter Soldat der Cohorte der Bogenschützen, und die Frei- gelassene Amöna sind hier begraben.
Die cohors I sagittariorum(deren Nummer hier weggelassen ist) ist noch aus drei weiteren zu Bingen oder Bingerbrück gefundenen Grab- steinen bekannt(Bramb. 738 und 739, Korrbl. d. W. Z. XVI, Sp. 36). Sie scheint aus Orientalen bestanden zu haben.— Z. 4 misicius für missicius. Zu dem Asyndeton Z. 4 und 5 vergl. z. B. Bramb. 737.— Die Schlussformel HS:8S lässt auf das erste Jahrhundert n. Chr. schliessen; damit stimmt auch die Abkürzung SAGI, welche mit dem Ende statt mit dem Anfang der Silbe abbricht. Gerade auf den ältesten Inschriften der Rheinlande finden sich hiervon 1:20 zahlreiche Beispiele.
Vergl. Zangemeister, Westd. Zeitschr. XI, 300
A5TAIVS; ORAAGC
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