Druckschrift 
3,[1] (1897) Römische Inschriften des Mainzer Museums / zsgest. von K. Körber. Mit 100 Zinkätzungen nach Faks.-Zeichn. von Heinrich Wallau
Entstehung
Einzelbild herunterladen

31

Imp(eratori) Caes(ari), divi Traiani Parthici filio, divi Nervae] nepoti, Traiano Hadriano Aug(usto), pont(ifici) max(imo), trib(unicia) pot(estate) VI, co(n)s(uli) III, p(atri) p(atriae). Ab Aquis Mattiacorum m(ilia) p(assuum) VI.

Dem Imperator Caesar Trajanus Hadrianus Augustus, dem Sohne des vergötterten Trajanus Parthicus, dem Enkel des vergötterten Nerva, dem Pontifex maximus und Vater des Vaterlandes, im sechsten Jahre seiner tribunicischen Gewalt, als er zum dritten Male Consul gewesen. Von Aquae Mattiacorum(d. h. Wiesbaden) sechstausend(Doppel-) Schritt.

Die Ergänzung vor der ersten, nur in der unteren Hälfte erhaltenen Zeile ist durch andere Inschriften völlig gesichert. Der Stein ist unter Hadrian i. J. 122, zu welcher Zeit der Kaiser persönlich in Obergermanien anwesend war, gesetzt und gibt die Entfernung von Wiesbaden auf 6 römische Meilen= 9 Kilometer an. Die Fundstelle neben der römischen Strasse, die geradeswegs nach dem bei Hofheim liegenden Kastell führt (ausserhalb der Stadt Kastel jetzt Elisabethenstrasse genannt), beweist, dass die Strasse nach Wiesbaden hinter unserm Brückenkastell von der nach Hofheim rechtwinkelig abging. bezw. dieselbe schnitt, um in ihrer rückwärtigen Verlängerung am rechten Mainufer, wo Wolff sie an ver- schiedenen Stellen aufgedeckt, nach Frankfurt weiterzulaufen. Ferner ist durch unsern Fund Zangemeisters Vermutung(s. W. Z. III, 245 A.), dass Aguae Mattiacorum der Hauptort der civitas Mattiacorum gewesen sei, glänzend bestätigt.

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, 183.

28. Bruchstück eines Meilensteines aus der zZeit nach 202, gefunden gleichzeitig mit und dicht neben dem unter Nr. 27 be- schriebenen(2 m weiter von dem römischen Lagerthor entfernt). Geschenk der Bürgermeisterei Kastel. Flonheimer Sandstein. H. 1,55 m(wovon 65 cm auf den 39:47 em breiten Sockel kommen), Umfang der im Durchschnitt etwas ovalen Säule 1,44 m.

[ab] Ag(uis Mattiacorum) L(eu-

2ae) IIII. A DM Von Wiesbaden vier keltische

1:10. Meilen.

Auch dieser Stein stand bei der Auffindung noch aufrecht am ursprünglichen Platze und ragte bis etwa 50 cm unter das heutige Pflaster, das seinerseits auf einer älteren Chaussierung aufliegt. Da er etwas höher stand als sein gleichartiger Nachbar, verlor er bei Anlage der modernen Strasse noch mehr von seinem oberen Theil, so dass von der Inschrift nur noch Reste der untersten Zeile stehen blieben. Aus diesen ersieht man, dass die Entfernung von Wiesbaden in Leugen angegeben war, was vom Jahre 202 an in Obergermanien üblich wurde. 4 leugae= 6 römische Meilen= 9 Kilometer. Die Praeposition ab hat in der letzten Zeile gewiss nicht, vielleicht aber in der vorausgehenden gestanden. Dass an einer Stelle zwei Meilensteine gefunden wurden, ist nicht auffallend, traf man doch bei Ladenburg deren fünf, bei Altripp sieben, bei Heidelberg gar acht beisammen an.

Vergl. Körber, Korrbl. d. W. Z. XV, 193.