Druckschrift 
3,[1] (1897) Römische Inschriften des Mainzer Museums / zsgest. von K. Körber. Mit 100 Zinkätzungen nach Faks.-Zeichn. von Heinrich Wallau
Entstehung
Einzelbild herunterladen

kleinere Teile, zerbrochen aufgefunden. Namentlich die ersten Zeilen sind am Anfang und Ende schwer beschädigt. Das eine Eckstück des Krönungs- gesimses, eine Volute in Rosettenform, passt nicht an das übrige, verloren gegangen ist später ein kleines Stückchen am Ende von Zeile 20. Die Seiten- flächen sind am unteren Teile des Steines noch teilweise erhalten und damit für die Länge der Zeilen ein Anhalt gegeben, der freilich die Er- gänzung der 10 ersten wenig zu fördern vermag, zumal hier a. A. und a. E. manchmal ein freier Raum geblieben zu sein scheint. Z. 1 war ursprünglich wohl die zweite: die erste wird nur die Widmung an Juppiter (I'OM) enthalten haben. Im übrigen ist die Ergänzung der ersten Zeilen durch ähnliche ziemlich gesichert, nur lässt sich natürlich nicht mit Be- stimmtheit sagen, welche Titel und Namen des Kaisers Gordian III. (238 244) und seiner Gemahlin auf dem Steine gestanden haben. Z. 1 a. A. rechter Fuss des A, a. E. linker Schenkel des V. Z. 2 ist die Senkrechte des L noch in ihrem ganzen Lauf verfolgbar, völlig erhalten ist davon nur der Kopf. Ebenso ist von dem folgenden kleinen V nur der Kopf des linken Schenkels noch vorhanden; T und E sind gebunden; a. E. ist von A der linke Schenkel und der Fuss des rechten erkennbar. Z. 3 a. A. unten eine Wagrechte, dann von dem E die Senkrechte mit oben anschliessender Wagrechten; auf T folgt der linke Schenkel von V und eine deutliche Senkrechte, auf C die Wagrechte und der Fuss eines T. Das Mass der Erhaltung der nächsten Zeilen ist aus der trefflichen Nachbildung hinreichend deutlich erkennbar; zu bemerken ist höchstens, dass Z. 6 fast die Hälfte der Zeile leer war. Von dem Namen des Stifters ist leider nur das Cognomen Annianus erhalten; der Mann ist sonst unbekannt. Interessant ist die Folge der Amter, die er bekleidet hat. Wie die meisten vornehmen Römer begann er mit dem aus vier verschiedenen Kollegien bestehenden Vigintivirat. Dann wurde man ge- wöhnlich Militärtribun; Annianus war es, wie der Plural Gordianarum beweist, in zwei Legionen, von denen jedoch nur der Name der einen durch ihren Beinamen gesichert ist, es ist die leg. I Minervia; die andere wird die leg. AXX Ulpia gewesen sein, welche damals ebenfalls in Unter- germanien stand. Z. 9 a. E. scheint ein N gestanden zu haben, Z. 10 a. A. ein C; die Ergänzung inlquo honore vilc. leg. sustinuit hat das Bedenkliche, dass sonst zur Bezeichnung der Stellvertretung rices agere üblich ist. Vielleicht ist das Objekt zu sustiunit(proelia, pericula u. ä.) ausgefallen und zu lesen vie(ibus) leg(ati)(so Gundermann). Nachher war Annianus quaestor pro praetore: Z. 10 a. E. ist ein Buchstabenrest erhalten, der sehr wohl einem P angehört haben kann, nur die Gestalt des Bruches verleitet leicht zur Annahme eines S. In welcher Provinz er aber gestanden hat, ist unsicher, ebenso ob deren Namen überhaupt beigesetzt war, denn auf das Z. 11 a. A. stehende, bisher unerklärte.. tiam(oder ... itam) endigt keine senatorische Provinz, und nur in einer solchen gab es Quaestoren. Daran aber, schon das erste PR: als Ab- kürzung von praetor aufzufassen, hindert der Umstand, dass bisher kein sicheres Beispiel der Verwaltung des Sevirats nach der Praetur vorliegt. Für die Zeilen 11 und 12 ist eine einwandfreie Deutung noch nicht ge- funden. Die oben gegebene stützt sich auf eine am Feldberg gefundene Inschrift, in welcher eine ewploratio Halic(ensis?) am germanischen Limes erwähnt wird; zweifelhaft bleibt dabei freilich die Lesung des zweiten Volksnamens, wenn überhaupt zwei genannt waren; denn der Stein ist an dieser Stelle so schwer beschädigt, dass die drei auf HALIOQ folgenden Buchstaben nicht mit Sicherheit festgestellt werden können. Weiteres Bedenken erregt der Ausdruck curator censibus administrandis für das einfache censitor. Auf jeden Fall stehen die civitates unseres Steins nicht auf einer Linie mit den römisch geordneten civitates der Mattiaker(um Wiesbaden) und der Taunenser(um Heddernheim), sondern sind als dem römischen Regiment unterstehende, aber nicht nach dem römischen Municipalsystem geordnete Barbaren-Distrikte aufzufassen. Eine kleine