Teil eines Werkes 
1 (1861) Rechtsgeschichtl. Einl. u. Gerichtsorganisation / dargest. von Ernst Jul[ius] Paraquin
Entstehung
Seite
73
Einzelbild herunterladen

A⸗ iten: der Aus

ülfen

iure⸗ ſic iten

und

nach uſti

k.

ver ver⸗ ulten altet uere war,

der ver⸗ doo⸗ wie tten end Ab⸗ uf⸗ ine

Gerichtsverfaſſung. 73

freie Kunſt angeſehen wurde und von dieſem Schmutze unberührt blieb. — Schelme und Spekulanten ſchafften ſich durch Stellenkauf in die Prokuratur; Talent und nobler Ehrgeiz, Kenntniſſe und Be⸗ redſamkeit führte der Advokatur ihre Candidaten zu.

Wir werden nun zuerſt die Anwaltſchaft abhandeln und dann die Advokatur, durch welche Darſtellungsweiſe der Unterſchied iſchen beiden Inſtituten ſich am klarſten ergeben wird. *)

Die Nationalverſammlung, als ſie über die Verbeſſerung in dem Weſen der Prokuratur verhandelte, beſchloß vor allen Dingen den Amtsnamen der Vergeſſenheit zu übergeben, damit das odium ſchwinde und der neue Stand oder vielmehr der frühere Stand un⸗ ter neuem Namen — denn tiefer ging im Grunde die Verändérung nicht — Vertrauen gewänne, und beſtimmte für ſie den Titel avoués.

Woués hießen im Mittelalter die Schutz⸗ und Schirmvögte der Klöſter und Kirchen, auf deren Feder wie auf deren Degen in ge⸗ gebenen Fällen recurirt ward und dieſe werden wohl hier zu Taufe geſtanden haben, während Andere behaupten, die Benennung ſey vom lateiniſchen advotare, einem Votum, Wunſche, einer Bitte bei⸗ treten, ſich anſchließen, entnommen oder hergeleitet worden. Dieſe Umtaufe geſchah in dem Geſetze vom 29. Januar bis 20. März 1791 und dasſelbe firirte die Attribution dieſer avoués folgender⸗ maßen:

„Es ſollen offizielle Beamten oder avoués, Anwälte, bei den Diſtriktsgerichten beſtehen, welche den Beruf haben, die Parteien „vor Gericht zu vertreten, die Akten und Schriften derſelben zu ver⸗ „wahren und dafür zu haften; die zur Regelmäßigkeit der Prozedur „nöthigen Akten abzufaſſen, und den Prozeß zum Vortrage vorzu⸗

„bereiten. Dieſe Anwälte dürfen auch die Parteien mündlich oder

„ſchriftlich vertheidigen, wenn ſie hiezu aufgefordert werden; allein

*) Nur in Einem Punkte beſteht wenig Unterſchied zwiſchen ihnen, in der Amtskleidung nämlich. Advokaten wie Anwälte tragen die ſchwarze Toga und das ſchwarze Barett, erſtere noch die chausse, ein Streif ſeidener Zeug, den die Doktoren der Wiſſenſchaften bei öffentlichen Ceremonien haben. Die Ad⸗ vokaten plaidiren ſtehend, mit bedecktem Haupte, als Zeichen der freien und unabhängigen Stellung des Vortrags vor Gericht; die Anwälte dagegen leſen ihre Anträge mit unbedecktem Haupte.