Teil eines Werkes 
1 (1861) Rechtsgeschichtl. Einl. u. Gerichtsorganisation / dargest. von Ernst Jul[ius] Paraquin
Entstehung
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44 Gerichtsverfaſſung

Amtswegen oder auf Antrag der Staatsbehörde jeden Richter, der

gegen ſeine Amtswürde verſtößt, zu ermahnen.

Die Disziplinirung der Richter geſchieht durch den Appellhof, vor welchen er vorgeladen und gehört werden muß. Die Staatsbe⸗ hörde hat dabei zu konkludiren. Alle disziplinariſchen Erkenntniſſe müſſen dem Juſtizminiſter eingeſchickt werden; wenn ſie auf geſchärf— ten Verweis oder Suspenſion lauten, bedürfen ſie ſeiner Beſtätigung.

Disziplinarbeſchlüſſe der Tribunale erſter Inſtanz bedürfen vor ihrer Vollziehung der Beſtätigung des kompetenten Appellhofs, und werden in der Rathskammer gefaßt und die Sache verhandelt.

Der Juſtizminiſter iſt befugt, Mitglieder der Erſtinſtanzgerichte und auch der Appellationsgerichte vor ſich zu beſcheiden, damit ſie ſich über die ihnen zu Laſt gelegten Thatſachen verantworten. Iſt ein Richter auch nur einfach polizeilich beſtraft worden, ſo muß der Juſtizminiſter hievon in Kenntniß geſetzt werden, und dieſer iſt be⸗ rechtigt den Caſſationshof über Suspenſion oder Abſetzung des frag⸗ lichen Richters entſcheiden zu laſſen.

Sobald ein Richter verhaftet wird, iſt er vom Amte ſuspendirt; ebenſo wenn er zuchtpolizeilich beſtraft worden, ſelbſt während der Dauer der Appellinſtanz.

Die Amtskleidung der Richter iſt:

a) Toga und Simarre (Oberkleid) von ſchwarzer Wolle, Gürtel desgleichen, Toque oder Barett ebenſo mit ſchwarzem Sammt eingefaßt, Cravatte von gefältetem weißen Batiſt; — bei ge⸗ wöhnlichen Sitzungen; — die Präſidenten und Vicepräſidenten haben am Barett einen Beſatz von Silber.

b) Die Simarre und der Gürtel von Seide, erſtere ſchwarz, letz⸗ tere hellblau; ſilberne Bordüre an der Togue — bei feier— lichen Sitzungen und öffentlichen Ceremonien; — die Präſi⸗ denten tragen dann doppelten ſilbernen Beſatz.

Dieſe Amtskleidung iſt durch das Geſetz vom 2. nivose Jahr XI feſtgeſetzt und bis jetzt beibehalten worden.

Die Beſoldungen bewegten ſich je nach der Größe der Städte und Orte, in denen ſie reſidiren, nach dem Geſetz vom 27. ventose Jahr VIII zwiſchen 2400 und 1000 Franken in Zwiſchenanſätzen

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