32 Gerichtsverfaſſung.
anſpruches an ſeine Perſon ſelbſt, oder auch wenn der Staat wegen eines finanziellen Intereſſes oder wegen einer Eigenthumsfrage in der Perſon eines ſolchen Beamten vor Gericht gefordert werden ſoll.
Hat der Verwaltungsbeamte die Grenzen ſeiner Befugniſſe überſchritten, ſo haben die Staatsbehörden die Erlaubniß, ihn vor Gericht zu ſtellen, durch ein Geſuch von dem Staatsrath zu erholen; im Weigerungsfalle unterbleibt die gerichtliche Verfolgung.
Daß mit dieſen Beſtimmungen auch hie und da Mißbrauch getrieben wurde und wird, daß man Geſetzesübertretungen von Ver⸗ waltungsbeamten, die mit ſeinem Amte nicht im Zuſammenhang ſtehen, um ihn, weil er ſonſt ein brauchbares Subjekt vielleicht iſt, zu ſchützen, gewaltſam als eine in Beziehung auf ſeine Funktionen
begangene Handlung charakteriſirt, die Nachſuchung der Ermächtig⸗
ung alſo gebietet und dann dieſelbe verweigert, iſt allerdings eine traurige Thatſache, welche in den immer etwas unſaubern Zuſtänden der Geſellſchaft ihren leicht erklärlichen Grund findet und in den⸗ ſelben wurzelt. *)
Literatur.
Pléments du droit public et administratif. par Foucart. 1834. droit public et administratif francais. par Bouchené-Lefer. 1830. Abrégé de principes d'administration par Bonnin. 1829. — Institutes du droit administratif francais. par Gérando. code administratif, par Fleurigeon. 1809. dictionnaire de droit publie et administratif. par Albin le Rat de Magnitot et Huard Dela- marre. 1836. Ferner die Werke von Gandillot 1834, die von Lalouette 1823, von Henrion de Panſey, von Péchart. — Die Schriften von Rondonneau, Dumont, Dujardin, Boyard zum Hand— gebrauch für Munizipalbeamte (ſogenannte manuels).
*) In der belgiſchen Staatsverfaſſung (wohl eine der beſten überhaupt, die eriſtiren) iſt durch Art. 106 die Entſcheidung der Competenzconflikte dem Caſſationshofe von Belgien zugewieſen, für deſſen Unabhängigkeit alle Garantien gegeben ſind. — In Bayern werden dieſe Conflikte durch eine mit gleichen Garantien ausgerüſtete Commiſſion entſchieden, die aus einem Vorſtande und drei Räthen des oberſten Gerichtshofes und drei höheren Ver⸗ waltungsbeamten — welchen faſt dieſelben pragmatiſchen Rechte zur Seite ſtehen — componirt iſt; Geſetz vom 28. Mai 1850 Art. 1 und 22. —


