Teil eines Werkes 
1 (1861) Rechtsgeschichtl. Einl. u. Gerichtsorganisation / dargest. von Ernst Jul[ius] Paraquin
Entstehung
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V

Es iſt für gar Viele ein unerklärliches Räthſel die Erſchei nung, welche die franzöſiſche Nation ſeit den letzten zehn Jahren der Welt darbietet. Wir ſehen ein Volk, das, in dem kurzen Zeitraum von ſechzig Jahren, drei Staatsumwälzungen unter den furchtbar ſten Kraftanſtrengungen, welche oft ſeinen gänzlichen ſittlichen und politiſchen Untergang herbeizuführen drohten, zur Erringung oder Er⸗ haltung ſeiner politiſchen Freiheit durchgekämpft hat; das in ſinn⸗ loſer Wuth die Regierung niederſchlug, die ihm ein größeres Maaß politiſcher Freiheit gewährt, als es vorher beſeſſen und vielleicht je beſitzen wird, die Regierung eines Fürſten, den es ſich ſelbſt erwählt, der in der rauhen Schule des Lebens herangereift und durch harte Schickſale geprüft war und milde und klug herrſchte, der bei man⸗ chen Mängeln ausgezeichnet war durch Vorzüge des Geiſtes und des Herzens, und deſſen durch hohe, vortreffliche Tugenden glänzende Familie die beſten Garantien einer weiſen und wohlwollenden Re gierung auch für die Zukunft darbot; wir ſehen dieſes nämliche Volk heute aller politiſchen Freiheit beraubt, mit dem Scheine der ſelben nur genarrt, unter den eiſernen Scepter eines gewaltigen Mannes gebannt, von Cayenne und Lambeſſa bedroht, zu unermeß lichen Geldverluſten, zu furchtbaren Menſchenopfern in Kriegen gezwun gen, die ſein Herr aus rein egviſtiſchen Zwecken führt. Ja noch mehr, wir ſehen es mit guter Miene ſich dem Regime des Napoleoni den unterwerfen, und immer noch im Wohlſtande und finanziellen Credite gut daſtehen.

Wo liegt der Grund dieſer Erſcheinung? Nicht in der Cha⸗

rakterloſigkeit, nicht in dem Ehrgeiz der Nation, wie man ihr

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