Erſtes Einführungs⸗Ebikt. 3
und nicht ſelbſt um deſſen Beibehaltung in Nutznießung oder Verwaltung der Eltern bitten.
XVII. Von dem Tag an, da dieſes Geſetzbuch im Gan⸗ zen oder in ausgenommenen einzelnen Materien in Verbind⸗ lichkeit übergeht, iſt damit im Ganzen, auch nachmals in ſol— chen einzelnen Materien, die geſetzliche Kraft des römiſchen und kanoniſchen Geſetzbuches, die Kraft aller Land- und Stadt⸗ rechte und aller Rechtsgewohnheiten, für bürgerliche Rechts⸗ ſachen aufgehoben, ſo, daß ſolche darin durchaus nicht weiter zur Richtſchnur noch zur Grundlage von gerichtlichen Ver⸗ handlungen dienen, und nur jener Gebrauch von einigen der⸗ ſelben noch ſtattfinden mag, den die Zuſätze dieſes Landrechts 1b und 6d und e bezeichnen. Was jedoch die Wirkung der älteren Geſetze über kirchliche, peinliche oder polizeiliche Ver— hältniſſe betrifft, ſo bleibt dieſe hierdurch unberührt, und deren Kraft ohne Weiteres unvermindert. Sodann
XVIII. Unſere Konſtitutions⸗Edikte bleiben, auch ſoweit ſie auf Gegenſtände des bürgerlichen Rechts Bezug haben, in ihrer vollen unverminderten Kraft, nur daß die Art in ihrer Anwendung in jenen bürgerlichen Beziehungen ſo geſchehen muß, wie es dieſe landrechtliche Geſetzgebung geſtattet, und nicht zum Nachteil einer beſtimmt und durch ſich allein ent⸗ ſcheidenden Verfügung derſelben in Anwendung kommen kann, ſowie auch jene in dieſem Landrecht namentlich angezogenen älteren Landesgeſetze, als die Eheordnung und Eidesordnung, oder jene Partikulargeſetze, deren Verfügung im Weſentlichen in das Landrecht übertragen iſt, wie z. B. die Beiſtand⸗ ſchafts⸗, Loſungs⸗ und Vorteilsrechtsordnung, fernerhin, wo ſie nicht buchſtäblich geändert ſind, in bürgerlicher Hinſicht, und noch mehr in Abſicht ihrer weitern rechtspolizeilichen Für⸗ ſorge bei Kräften bleiben, und als Erläuterung des Gebrauchs der diesfallſig kürzern, im Landrecht ausgedrückten Sätze dienen.
Hieran geſchieht unſer Wille. Gegeben Karlsruhe, den 3. Februar 1809.
Karl Friedrich.
vdt. Freiherr v. Gemmingen.


