458 I. Buch. Xl. Tit. Von der Volljährigkeit, ꝛc.
letzen, ihn nicht auf einen Verſchwender anwenden; nicht nöthig ſey es b), oft ſey es ſo gar unmöglich, daß das Ge⸗ ſetz genau das Maß des Mißbrauches beſtimme, dem es Einhalt thun will. Soll dieß aber eine Urſache ſeyn, es gar nicht zu thun, und Unordnungen ungeſtraft zu laſſen? Ge⸗ wiß nicht; das Geſetz ſtellt den Grundſatz auf, und der Rich⸗ ter wendet ihn den Umſtänden gemäß an⸗
Wäre auch e) der Gattinn perſönlich nichts daran gele⸗ gen, den Verſchwendungen ihres Mannes ein Ziel zu ſetzen, ſo mlißte ſie doch fuͤr ihre Kinder handeln; das öffentliche Miniſterium muͤßte ebenfalls ſeine Stimme für ſie, und für die ganze Geſellſchaf erheben, der allerdings daran gelegen iſt, daß ihre Mitglieder ſich nicht in einen Zuſtand verſetzen, welcher ſie zu Verbrechen reitzt.
Eben ſo ſey es d) Pflicht der Geſellſchaft, die Buͤrger gegen ſie ſelbſt in Schutz zu nehmen— ein Grundſatz, der die Baſis der Geſetze über die Vormundſchaften, und uͤber die Interdiction eines Wahnſinnigen ſey; der Verſchwender, als Schlachtopfer der Leidenſchaften, die an ſeinen Exceſſen ſchuld ſind, rufe aber eben ſo den Schutz der Geſetze an.
Freylich ſage man e), dem Publicum liege wenig daran, in weſſen Händen das Vermögen ſich befinde, vorausgeſetzt, daß es nur im Staate bleibe; allein, hier ſey doch von keiner Finanz⸗Frage die Rede, ſondern vielmehr von einer Frage, die die Sitten, und das geſellſchaftliche Intereſſe zugleich betrifft, und der Staat habe gewiß ein Intereſſe dabey, daß jeder ein Vermögen erhalte, das für ſein Betragen buͤrge.
Zu ſpät würde k) die Interdiction nicht eintreffen; im Gegentheile könne ſie noch koſtbare Trümmer retten, und dem Verſchwender Erbſchaften erhalten, die ihm anfallen könnten⸗
Uebrigens durchſuche man g) um eine Interdiction zu er⸗ kennen, die Geſchüfte des angeblichen Verſchwenders ſo genau nicht, daß man ſelbſt bey Kleinigkeiten verweile; auch laſſe man ihn nicht Rechenſchaft über die Art ablegen, wie er ſein


