471 1. Buch. X. Tit. Von der Minderjährigkeit, ꝛc.
Hof ſich des einfachen Mittels, das aus der Verletzung eben dieſes Artikels hergenommen wurde, bedient, um das Urtheil, wovon die Rede war, zu caſſiren. Da die aufgeſtellten Fra⸗ gen allerdings eine ernſthaftere Prüfung verdienen, und bald wieder vorkommen werden, ſo hat der Caſſations-Hof ſeinen Mitgliedern Zeit zum Nachdenken laſſen, und eine feyerli⸗ chere Gelegenheit abwarten wollen, um darüber zu erkennen⸗ Ich darf ſeinem Urtheile nicht vorgreifen, und verweiſe indeſ⸗ ſen den Leſer auf die Jurisprudence du Code Civil tom. 1. p. 449. u. f. wo dieſe Frage ſehr gut auseinander ge⸗ ſetzt iſt.*)
*) Beyde Fragen haben die Appellations⸗Höfe von Toulouſe am 22. Frimaire 12 J. von Paris am 3. Germinal 12 J., von Nismes am a4. Brumaire, und 3. Fructidor 13 J. und von Turin durchaus bejahend entſchieden; das gerade Gegentheil er⸗ kannten die Appellations-Höfe von Beſaneon, am a. Ventoſe 12 J., von Aix am 19 Frimaire 13 J.; und von Riom am 30. Ventoſe 12 J. und am 7. Jänner 1806. Der Appellations⸗ Hof von Agen entſchied endlich die erſte Frage mit Ja, und die zweyte mit Nein. Da die Gründe dieſer verſchiedenen Meinun— gen im journ. des Aud. de la Cour de Cassat. 1306 im Anhan⸗ ge p. s6. u. f. kurz zuſammengeſtellt ſind, ſo will ich ſie aus dieſem hier ausheben.
Man muß, ſagen die Anhaͤnger der erſten Meinung, zwiſchen den perſönlichen und dinglichen Geſetzen einen Un⸗ terſchied machen. Jene ſetzen die bürgerlichen Eigenſchaften des Menſchen ohne Rückſicht auf die Güter feſt; dieſe haben die Güter zum Gegenſtande ihrer Verfügungen, ohne Rückſicht auf die Perſonen. Die bürgerlichen Eigenſchaften entſpringen aus der Faͤhigkeit oder Unfähigkeit einer Perſon nach ihrem Alter, ihrem Geſchlechte, und dem Umfange ihrer Verſtandes⸗Kraͤfte. Die Guͤter beſtehen aus allen beweglichen und unbeweglichen Gegenſtaͤnden, deren Herr der Menſch Kraft des Eigenthums⸗ Rechtes werden kann.
Dieſe zwey Gattungen von Geſetzen oder Statuten ſind nicht ſo von einander verſchieden, daß ſie nicht einen wechſelſeitigen Einfluß auf die Gegenſtände ausüben, die mehr zur einen oder jur andern Gattung gehören. So dehnen z. V. die Ge⸗


