Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1813)
Entstehung
Seite
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Dem Beamten die Wahrnehmung desjenigen, was das Ministère public zu verrichten hat, als Amtsſache aufzutragen, iſt ſchon darum kein ſchickli⸗ cher Gedanke, weil in oͤffentlichen Geſchaͤften eine Controlle über ſich ſelbſt eben ſo viel iſt, als eine Ent⸗ bindung von Controlle.

Der Gedanke iſt aber auch darum ungluͤcklich, weil das Ministére public, von dem Rechtſprechen gaͤnzlich getrennt und unabhaͤngig, einer eignen Con⸗ trolle unterworfen iſt, und erſt im Juſtizminiſterinm diejenige Behoͤrde findet, welche ſich zugleich uͤber die Richterſtellen und das Ministère public erhebt, und die Wirkungsſpaͤhre beider Staatsbehorden in geſetz⸗ lichem Gleiſe haͤlt.

Ich will folgendes ſagen:

Der procureur impérial des Tribunals erſier Inſtanz richtet ſeine allgemeine Controlle gegen die Juſtizverwaltung nicht an das hoͤhere Gericht, ſon⸗ dern an den Procureur général des Appellationsho⸗ fes. Durch ihn gelangen ſie an den Procureur ge- néral des Caſſationshofes oder an das Juſtizmini⸗ ſterium.-

Das Tribunal iſt dagegen dem hoͤheren Tribu⸗ nal, keineswegs dem procureur genéral des Appel⸗ lationshofs ſubordinirt.

Vereinigt man den Richter und das Ministère public in einer Perſon, ſo muß er in der erſten Ei⸗ genſchaft dem hoͤheren Richter, in der zweiten dem Controleur des hoheren Richters unterworfen ſeyn. Eine ſolche Doppelherrſchaft unmoglich in der Idee muß in der Erfahrung manche Widerſpruͤche hervorbringen.

In Baiern hat man gar kein Minisère public eingefuͤhrt, ſondern die Gerichte in allen Inſtanzen ihrer eignen Controlle uͤbergeben. Iſt dieſes Syſtem nicht gläͤcklich, ſo iſt es doch wenigſtens nicht incon⸗ ſequent.