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ſetzgebung nichts Willkuͤhrliches. Der Geſetzgeber wird durch Thatſachen und Verhaͤltniſſe beſtimmt, welche die Natur, nicht ſein Wille erzeugt. Er iſt nur der Interpret der Natur.
Aber von der Form ſeiner Ausſpruͤche iſt das Gepraͤge der Willkuͤhr unzertrennlich. Was er heu⸗ te verfuͤgt hat, muß er Morgen widerrufen duͤrfen. Der Gegenſtand ſeiner Verfuͤgungen iſt eben darum Veraͤnderungen und Zufaͤlligkeiten unterworſen.
Der religioſe Geſetzaeber erlaͤßt Geſetze, welche ſogar auch der Form nach, nicht willkuͤhrlich, ſondern nothwendig und unabaͤnderlich ſind. Der Gegen⸗ ſtand ſeiner Gebote iſt die ewige, ſittlich anthropolo⸗ giſche Natur, wie ſie ſich im Leben und in aͤußeren Wechſelbeziehungen darſtellt. Wie die Ehe unter Eltern, Kindern und Geſchwiſtern vor zweitanſend Jahren verboten war, ſo muß ſie auch nach zweitau⸗ ſend Jahren verboten bleiben.
Wuͤrdigt man einer ſeiner Quelle nach religioͤſes Geſetz zu einem rein buͤrgerlichen herab, ſo entzieht man ihm in der Meinung des Volks die ihm eigen⸗ thuͤmliche Grundlage. Man ſchwaͤcht den Glauben, dem es ſeine Staͤrke und ſeine Heilighaltung ver⸗ dankt.
Man hat behauptet, daß der Staat und das burgerliche Geſetz auf den Egoismus gebaut ſey. Ich halte die Behauptung fuͤr richtig. Aber der Egois⸗ mus, indem er das Individuum erhaͤlt, zerſtoͤrt er das Geſchlecht. Er ſieht außer ſich ſelbſt nichts und die kommenden Generationen ſind fuͤr ihn nicht da.
Das religioͤſe Geſetz arbeitet geradezu dem Egoismus enegegen. Es ſchutzt das Hoͤchſte der Menſchheit, die Achtung für ihre ewige Beſtimmung zur Kultur der Sitten und des Geiſtes gegen ſeinen Einfluß. Es umfaßt in ſeinen Wirkungen die kuͤnf⸗ tige Generation oder das Geſchlecht.
Dieſe Wahrheit zeigt ſich nirgends auffallender,


