Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1813)
Entstehung
Seite
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ob ſie nach den bloßen Worten, oder analogiſch er⸗ klaͤrt werden muͤßten; ob z. B. das Verbot der Ehe zwiſchen der Bruders Wittwe und dem Schwager derſelben auch auf der Frauen Schweſter oder die Schwaͤgerin auszudehnen ſey.

Vielleicht waͤre es beſſer, wenn der Unterſchied zwiſchen dispenſabeln und nicht dispenſabeln Graden der Verwandſchaft als eine Inconſequenz aufgehoben werden koͤnnte. Von der kirchlichen Seite ſcheint mir wenigſtens die Inconſequenz unverkennbar. Wenn die Kirche und ihr Repraͤſentant nur empfan⸗ gene Geſetze vollzieht, ſo iſt jede Dispenſation ein Widerſpruch mit der Natur des Inſtituts. Wird die Ehe umgekehrt als rein buͤrgerliches Inſtitut be⸗ trachtet und behandelt, ſo ſind die verbotenen Grade reine Ausſpruͤche des buͤrgerlichen Ge⸗ ſetes. Iſt vollends wie in Frankreich die geſeßge⸗ bende und die vollziehende Gewalt getrennt, fo iſt es nicht inconſequent, in die Haͤnde der letztern bis zu beſtimmten Grenzen ein Dispenſations⸗Recht nieder⸗ zulegen.

Von dieſem allen abgeſehen, ſcheinen nach der Natur und den Sitten des gebildeten Europa's fol⸗ gende Ruͤckſichten einzutreten.

Schon im zweiten Grad der Verſchwaͤgerung hat man angenommen, daß die Ehe des Mannes mit der Schweſter ſeiner verſtorbenen Gattin nicht abſolut verboten ſey.

Dieſe Anſicht laßt ſich vertheidigen, weil vor jo⸗ der andern der Frau ledige Schweſter ſich der Erzie⸗ hung der Kinder widmet, und weil unabhaͤngig von dem Eheverbot und vom Geſetz noch andere wider⸗ rathende, aus der Individualitaͤt der Geſchlechter und aus geſellſchaftlicher Convenienz hervorgehende Gruͤnde der Verſuchung zur Verfuͤhrung entgegen⸗ wirken.

Aber der naͤmliche Grund, welcher die Heirath