Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1813)
Entstehung
Seite
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die Forderungen des Geſchlechtstriebs zu beherrſchen und zu leiten.

Ueberlaͤßt er, was er nicht beſtimmen kann, dem kirchlichen oder religioſen Geſetzgeber, ſo hat dieſer kein anderes, als das naͤmliche Princip zu befolgen.

So lange nach alter germaniſcher Sitte Kinder und Enkel, und verheirathete Geſchwiſter unter einem Dach wenigſtens haͤufig beiſammenlebten und erzo⸗ gen wurden, beruhete das Eheverbot zwiſchen Oheim und Richte, Tante und Reffen, und Geſchwiſterkin⸗ dern auf guten Gruͤnden.

Die Paͤbſte trieben es freilich etwas weit. Ih⸗ re Cheverbote reichten uͤber alle Grenzen des haͤusli⸗ chen Beiſammenlebens hinaus. Das ſcholaſtiſche Argument, daß der Menſch aus vier Elementen be⸗ ſtehe und daß mit jeder Generation ein Element aus⸗ trete, war eine durchſichtige Huͤlle prieſterlicher Herrſch⸗ und Habſucht.

Aus der naͤmlichen Quelle ſcheint auch der Un⸗ terſchied zwiſchen nicht dispenſabeln und dispenſabeln Graden der Verwandſchaft gefloſſen zu ſeyn-

Die proteſtantiſche Kirche konnte ſich ihrer Ver⸗ faſſung wegen uͤber keine gemeinſchaftliche Normen vereinigen.

In den einzelnen Landes⸗Ordnungen ſchim⸗ merte das kanoniſche Recht auf eine oft ſeltſame Art durch. Man wußte nicht, ob der Urheber des Ge⸗ ſetzes in ſeiner kirchlichen oder ſtaatsrechtlichen Eigen⸗ ſchaft verfuͤgt habe.

Der Unterſchied zwiſchen nicht dispenſabeln und dispenſabeln Faͤllen wurde beibehalten, jene als Dog⸗

ma, dieſe als Kirchendisciplin betrachtet, jene nach dem moſaiſchen Recht, dieſe nach einer Willkuͤhr be⸗ ſtimmt, deren leitendes Princip man eigentlich nicht anzugeben wußte. Bei der Anwendung des moſai⸗ ſchen Rechts wurde wieder gefragt, ob die Ehever⸗ bote auf Grade oder auf beſtimmte Formen gerichtet,