Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1813)
Entstehung
Seite
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Staat oder buͤrgerliche Verein, oder iſt das Ueber⸗ ſinnliche und Religioſe die Quelle deſſelben?

Es kommt hier ebenfalls auf Frhaltung der Sitten, oder desjenigen im Menſchen an, was ewig nicht durch Zwang, ſondern durch Glauben und Meinung geſchuͤtzt werden kann.

Der Grund des Verbots iſt durchaus der näm⸗ liche, wie bei blutsverwandten Individuen. Die Quelle kann nicht verſchieden ſeyn. Iſt die Verle⸗ tzung des Verbots unter den Blutsverwanden ein re⸗ ligioͤſes Verbrechen, ſo kann die Verletzung unter Verſchwaͤgerten nicht als ein buͤrgerliches betrachtet werden.

Daß hier das Verbrechen einen religioͤſen Cha⸗ rakter annehme, iſt um ſo viel mehr Beduͤrfniß der Civiliſation, da der Reiz der Verſuchung anthropo⸗ logiſch ſtaͤrker, die Wachſamkeir des buͤrgerlichen Geſetzes ſo gut wie unmoͤglich iſt, und nur das Herz, die Sinnlichkeit vom Gemuͤth bewacht werden kann.

Ob das kirchliche Eheverbot wegen Verwand⸗ ſchaft und Verſchwagerung weiter als auf den zweiten Grad der Blutsverwandſchaft oder Verſchwaͤ⸗ gerung in der Seitenlinie, durch die Natur ausge⸗ dehnt werde, iſt eine Frage, welche ſich nur aus den Sitten, und der haͤuslichen Erziehung beantworten laͤßt.

Daß der Erzieher und der Erzogene, daß die zuſammen und gemeinſchaftlich Erzogenen untereinan⸗ der, daß endlich die in der innigſten verwandſchaftli⸗ chen Vertraulichkeit Zuſammenlebenden ſich wechſel⸗ ſeitig nicht als Mittel der Befriedigung des Ge⸗ ſchlechtstriebes betrachten duͤrfen, dies muͤßte fuͤr den buͤrgerlichen Geſetzgeber das leitende Princip bei Feſt⸗ ſetzung der die Ehe verbietenden Verwandſchaftsgra⸗ de werden, wenn es uberhaupt in ſeiner Macht läge,