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Gehort der Staat, wie ich vorhin zeigte, einer poſitiven Religion, gehoͤren alle Staaten des ge⸗ ſitteten Europa's, ſelbſt Frankreich nicht ausgenom⸗ men, der chriſtlichen Religion an, ſo muß der Staat das Anerkenntniß der Kirche uͤber das Daſeyn und Richtdaſeyn der religidſen Ehe ehren; wo die Kirche die Ehe als irreligios verwirft, darf ſie der Staat nicht heiligen.
Hier reichen ſich der religioͤſe Glaube und das buͤrgerliche Geſetz, Staat und Kirche die Hand.
Die Vereinigung derſelben iſt nothwendig, weil die Ehe in Anſehung der Verehelichten und ihrer KFinder Eigenthumsverhaͤltniſſe erzeugt, welche die Kirche nichts angehen, und welche ſie nicht beſtimmen kann.
Die Vereinigung iſt auch darum noͤthig, weil der Staat bei Eingehung der Ehe ebenfalls Zwecke hat, deren Vereitlung er der Kirche nicht nachgeben darf.
So entſtehen buͤrgerliche und kirchliche Ehehin⸗ derniſſe, die Eingehung der Ehe unterſagend— im-
edimenta impedientia— oder die eingegangene Ehe fuͤr nicht vorhanden erklärend— impedimen- ta dirimentia.
Die kirchlichen Hinderniſſe muß das buͤrgerliche Geſetz anerkennen. Es kann nicht den Sitten wi⸗ derſprechen. Es kann die buͤrgerlichen Wirkungen der Ehe nicht da eintreten laſſen, wo die Kirche die Ehe fur ein religidſes Verbrechen haͤlt, z. B. beim Inceſt, bei der Bigamie.
Aber auch die buͤrgerlichen Hinderniſſe muß die Kirche ehren, denn ihre aͤußern Handlungen ſtehen unter der Aufſicht des Staats. Sie predigt Gehor⸗ ſam gegen die Gebote des Staats. Sie darf da kei⸗ ne Ehe anerkennen, wo ſie der Staat unterſagt, oder nicht erlaubt hat.


