Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1813)
Entstehung
Seite
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hoͤhern Werth, als das Gegebene; bei der eheli⸗ chen Vereinigung gibt der Verſprechende fuͤr die ihm zugeſagte Liebe ſein ganzes Zutrauen hin.

Bei dem juriſtiſchen Vertrag verlangt der Pacis⸗ cent, unbekuͤmmert um Triebfedern, nur die zuge⸗ ſagte aͤußere Handlung; bei der ehelichen Vereini⸗ gung wird die Handlung nur durch die Quelle geheiligt, aus der ſie fließt. Dort iſt der Glaube an das un⸗ ſichtbare Innere außerweſentlich; hier iſt er weſentlich.

Mag immerhin die Abrede der Neuverehelichten uͤber ihre kuͤnftigen Vermoͤgensverhaͤltniſſe dem juri⸗ ſtiſchen Vertrage angehoͤren; die eheliche Zuſage ſelbſt iſt etwas Hoͤheres; ſie iſt ein offentliches Geluͤbde, eine aus dem Innern des Gemuͤths hervorgehende oͤffentliche Verheißung⸗

Rur als Geluͤbde kann das eheliche Verſprechen im Angeſicht der Geſellſchaft abgelegt werden. Die Verehelichten ſtehen hier nicht vor dem, ihre Vertraͤ⸗ ge durch die Zuſage eines ſchuͤtzenden Zwangs, ſanctionnirenden Staatsverein. Was aus dem In⸗ nern des Gemuͤrhs hervorgeht, iſt keiner aͤußeren Garantie faͤhig.

Die Geſellſchaft muß dahet hiet nothwendig einen andern Charakter annehmen. Der Glaube ſpricht zum Glauben, die Moralitaͤt der Einzelnen. zu der Moralität Aller. Indem die Reuverehelich⸗ ten bei Ablegung des ehelichen Geluͤbdes dem Ueber⸗ ſinnlichen oͤffentlich huldigen, richten ſie die Er⸗ klärung an die dem nemlichen Ueberſinnlichen hul⸗ digenden Geſellſchaft. Was iſt die letztere aber nach anthropologiſchen Geſetzen anders, als die Kirche?

So athmet der religiöſe Glaube im Weſent⸗ lichen der Ankuͤndigung der Ehe. Die Kir⸗ che kann das Inſtitut nicht anders als ſo wie es an⸗ gekuͤndigt worden iſt, oder als ein religioſes Inſtitut anerkennen. Sie kann es nicht billigen, wo der religioſe Glaube die Ehe als irreligids unterſagt.