Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1813)
Entstehung
Seite
11
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II

bezeichnet den Gatten als Hausvater und Familienre⸗ gent; die Kinder als ehelich gebohrne Hauskinder.

Ueber die Nothwendigkeit der Ankuͤndigung und Anerkennung ſtreitet man nicht. Rur wird gefragt, ob ſie blos vor der Geſellſchaft als buͤrgerlichem Ver⸗ ein geſchehe und blos in dieſer Eigenſchaft erwiedert werde, oder ob ſie ihrem Weſen nach einen hoͤhern, religidſen Charakter annehme?

Hier ſcheiden ſich die Schulen, die Volksſitte, die Meinung der Weiſen. Ueberall nahm bis jetzt, in der Geſchichte der Sitten und Meinungen, die Ehe neben dem buͤrgerlichen Charakter, einen religid⸗ ſen, als zu ihrem Weſen gehdrend, in An⸗ ſpruch. Ueberall fuͤhrte der Glaube der Nationen die Neuverehelichten an den Fuß der Altaͤre. Nur die Speculation der neuen Schule erklaͤrte die from⸗ men Ceremonien fuͤr außerweſentiich. Frankreichs Geſetzgebung verpflanzte dieſe Lehre in das Leben.

Die Frage iſt wegen ihrer Folgen hoͤchſt wichtig. Gehoͤrt die Eingehung der Ehe dem religioͤſen Glau⸗ ben an, ſo entſcheidet der nemliche Glaube auch uͤber ihre Trennung; uͤber die Frage, welche Perſonen eine Ehe ſchließen koͤnnen, oder nicht, gebuͤhrt ihm eine mit entſcheidende Stimme.

Haͤtte man gefragt: was iſt in der Ankuͤndi⸗ gung der Ehe von Seiten der Neuverehelichten, was iſt in ihrer Anerkennung von Seiten der Geſellſchaft enthalten? ſo waͤre man der Aufloͤ⸗ ſung der Frage naͤher gekommen.

FIſt die Ankuͤndigung blos auf buͤrgerliche Verhaͤltniſſe, auf perſonliche Leiſtungen und Hand⸗ lungen gerichtet, enthaͤlt die Anerkennung hlos die Zuſage des Schutzes ſeiner Verhaͤltniſſe von Sei⸗ ten der offentlichen buͤrgerlichen Macht, dann waͤre kein Grund vorhanden, die Ehe ihrem Weſen nach fuͤr kein bloſes buͤrgerliches Inſtitut, ihre Eingehung fuͤr keine buͤrgerliche Handlung zu erklaͤren.