Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1813)
Entstehung
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die Erzeuger an ihr Kind und fordert ſie zur Erzirk⸗ hung deſſelben auf.

Aus dieſem Ruf entſteht die ausſchließende Geſchlechtsvereinigung der Individuen.

Sie wird durch neu ſich entwickelnde Naturbe⸗ durfniſſe verlaͤngert und verſtaͤrkt. Das ſchwaͤchere Weib findet darin Schutz, der Mann Pflege. Die Eigenliebe reizt wechſelſeitige Eiferſucht und dieſe be⸗ wacht den Bund. Das Herz bedarf Mittheilung und der Mann findet ſie bei der Ehegattin. Eine Vereinigung, die in ihrer Entſtehung voruͤbergehend ſeyn konnte, wird eine Vereinigung durch das Leben.

So fuͤhrt die Hand der Natur den Menſchen in die Ehe.

Sie iſt hiernach nichts anders als eine a nthro⸗ pologiſche Befriedigung des Geſchlechtstriebes. Wer da ſagt, ſie ſey eine geſetzmaͤßige Beftriedi⸗ gung deſſelben, vergißt, daß ſie mit ihrer ganzen Ho⸗ heit und Wuͤrde unabhaͤngig von allem geſchriebenen und ungeſchriebenen Geſetz exiſtirt, er vergißt, daß ſie von der Sitte, nicht vom Recht erzeugt wird.

Das Daſeyn der Ehe muß der Geſellſchaft angekuͤndigt; es muß von ihr anerkannt wer⸗ den.

Die Ehe kann nicht heimlich, nicht unſichtbar da ſeyn. Denn die Verehlichten bilden eine Fami⸗ lie. Sie finden ſich mit ihren Kindern im hausli⸗ chen Verein. Von der großen Familie umgeben, ſtellen ſie unter ihrem Schutz einen patriarchaliſchen Staat dar. Die Geſellſchaft muß wiſſen, wer zu dieſem Staat gehoͤrt.

Die Ankuͤndigung der Ehe nennt der gemeine Sprachgebrauch das Eheverſprechen(Sponsalia). Die Anerkennung von Seiten der Geſellſchaft iſt die Trauung(benedictio nuptialis). Wir finden ſie bei allen Volkern, auf jeder Stufe der Cultur. Sie ertheilt der Gattin die Wuͤrde der Hausfrau, ſie