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einen Vereinigungs⸗, Unterwerfungs⸗ und Conſtitu⸗ tions-Vertrag zum Grunde. Von dieſen Vertraͤ⸗ gen weiß die Geſchichte nichts. Sie zeigt die Staa⸗ ten in ihrer Entſtehung als das Product einer rohen und furchtbaren Naturkraft. Aber ein, tief im menſchlichen Herzen ſich regendes Beduͤrfniß umgibt dieſe Raturkraft mit religioͤſer Weihe. Es offenbart ſich ihm darin der Wille des uͤber Nationen, wie uͤber Individuen nicht als Fatum, ſondern als mora⸗ liſche Rothwendigkeit waltenden Schickſals. Es grundet den von keinem geſchichtlichen Verein getra⸗ genen Thron auf den Altar. Es vereinigt den Herr⸗ ſcher und ſein Volk durch ein religioͤſes Band, und gebietet jenem Humanitaͤt, wenn es dieſem Gehorſam predigt.
Es iſt hier von keiner Politik, von keiner Volks⸗ taͤuſchung die Rede. Wir wollen nicht nachbeten, was die Weiſen der Schule uns ſo oft vorgebetet ha⸗ ben. Menſchen koͤnnen taͤuſchen, die Natur betruͤgt nie. Wos ſie mit Flammenzuͤgen in das Herz ge⸗ ſchrieben, was die Geſchichte aller Zeiten ausgeſpro⸗ chen, was Volker, die fuͤr ihre Regenten gegen Ero⸗ berer und Ufurpatoren kämpften, begeiſtert hat, der Gedanke: die Obrigkeit iſt von Gott— das kann nicht die bloße Erfindung herrſchſuͤchtiger Prieſter und Politiker ſeyn. Er iſt ein in der Geſellſchaft ſich ent⸗ wickelndes, der Civiliſation und Cultur unentbehrli⸗ ches Naturbeduͤrfniß.
Itt nach dieſer Anſicht der Staat ſelbſt ein reli⸗ gioſes Inſtitut, das Band zwiſchen dem Regenten und den Regierten ein religioͤſes Band, ſo muß noth⸗ wendig die Behauptung, der Staat habe als ſolcher keine Religion, falſch ſeyn. Oder der Staat muͤßte in ſeiner Ratur verleugnen, was die anthropologi⸗ ſche Grundlage ſeines rechtlichen Daſeyns iſt.
Hat man bei der Behauptung, der Staat habe als ſolcher keine Religion, nicht dasjenige verwechſelt,


