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waͤre. Wenn Zachariaͤ viele Aehnlichkeit zwiſchen dem franzoͤſiſchen und dem ſogenannten proteſtamti⸗ ſchen Eherecht zu entdecken glaubt, ſo hat er die durch⸗ aus verſchiedene Fundamentalanſicht uͤberſehen, aus welcher beide hervorgegangen ſind.
Wenn ein ſogenannter proteſtantiſcher Staat das franzoͤſiſche Eherecht im Geiſt und in der Wahr⸗ heit aufnimmt, ſo muß er den aͤußeren religioͤſen Character der Ehe vertilgen, und kirchliche Gebote und Verbote in rein buͤrgerliche verwandeln. Daß eine ſolche Verwandlung den Sitten und Meinun⸗ gen des Volks widerſprechen wuͤrde, bedarf keines Beweiſes. Antagonismus zwiſchen weltlicher und kirchlicher Macht kann ihn dazu nicht noͤthigen; denn er iſt durch die Vereinigung beider Gewalten in einer Hand, verſchwunden. Es laſſen ſich nur zwei An⸗ rathungsgruͤnde denken. Der Staat muß entweder die Ueberzeugung erlangt haben, daß eine kirchliche Vereinigung bloße und reine Gewiſſensſache ſey, und daß die Kirche nie und unter keiner Bedingung auf gerellſchaftliche Einrichtungen Einfluß haben duͤrfe; mit andern Worten, der Staat muß dem Grund⸗ ſatz, daß er als Staat gar keiner Kirche angehoͤre, unbedingt und in vollem Umfang huldigen. Oder er muß ſich uͤberzeugen, daß die Ehe ihrem weſentli⸗ chen Character nach ein rein buͤrgerliches, kein reli⸗ gioͤſes Inſtitut ſeyo. Beide Anſichten gehoͤren zu den herrſchenden des Zeitalters. Ich halte beide fuͤr falſch und gefaͤhrlich. Die eine ſtuͤrzt den Thron, die andere untergraͤbt die Sitten. Meine Behauptung iſt nicht neu, ſie iſt aber von Eigennutz der Prieſter, vom Fanatismus und von der Bigotterie aufs ſchaͤnd⸗ lichſte mißbraucht und eben dadurch verhaßt gewor⸗ den. Dieſer Mißbrauch hat den Drang der beſſeren Koͤpfe zur Verbreitung und Geltendmachung entgegen⸗ geſetter Anſichten erzeugt. Man koͤnnte dieſen Drang den Aufklärungs⸗Fanatismus nennen. Die Leiden⸗


