Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1813)
Entstehung
Seite
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3 macht, und nennt ihr Geſetbuch Bibel, Oſſenba⸗ rung, Evangelium.

Das Verhaͤltniß des Staats zur Kirche war in dem neuen Europa ein dreifaches. Entweder wurde die aller aͤußeren Herrſchaft beraubte Kirche einzig und allein an das Gewiſſen verwieſen, und der Thron, mochte ihn ein Monarch oder die ſogenannte Volks⸗ majeſtät ausfullen, erhob ſich uber dem zertruͤmmer⸗ ten Altar. So war es in Frankreich nach der Revo⸗ lution und vor der Abſchließung des Concordats. Oder die kirchliche Gewalt beſtand aͤußerlich und ſelbſiſtaͤndig neben der weltlichen, ausgeuͤbt in ihrer letzten Quelle außer den ſichtbaren Grenzen der Staatsgewalt, obgleich von dieſer eontrollirt und be⸗ wacht⸗ So in Staaten, welche die katholiſche Reli⸗ gion fuͤr die herrſchende erklaͤrt hatten. Oder beide, ſelbſtſtaͤndige in der Idee ſogar aͤuſ⸗ ſerlich getrennte Gewalten wurden von den nemlichen Perſonen ausgeuͤbt und ſo in der Er⸗ ſcheinung vereinigt. Dies wurde das Sachver⸗ haͤltniß in eigentlich proteſtantiſchen den Unterthanen und den Herrſcher zu einem gleichen Religionsbe⸗ kenntniß vereinigenden Laͤndern.

Dieſes dreifache Verhaͤltniß zwiſchen Staat und Kirche hat ſich in der Geſtaltung der geſetzlichen Ver⸗ einigung zwiſchen beiden Geſchlechtern, oder der Ehe auf dreifache Art offenbart.

Sobald der Staat alle Forderungen der Kirche einzig und allein an das Gewiſſen verweißt, muß er ihm auch allen Einfluß auf das aͤußere bürgerliche Leben unterſagen. Eine vom Staat anerkannte kirchliche Ehe iſt in dieſem Syſtem nicht einmal denkbar. Das ganze Inſtitut muß lediglich nach und durch Forderungen des buͤrgerlichen Geſetzes begruͤn⸗ det, fomaliſirt und aufgeloͤßt werden. So im revo⸗ lutionirten Frankreich. Nach der Abſchließung des

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