(295 Art. XXRIl.
In der SeitenLinie iſt die Repräſentation zu Gun⸗ ſten der Kinder und Deszendenten von Brudern oder Schweſtern des Verſtorbenen zugelaſſen, ſie mögen nun mit Oheimen oder Tanten für die Erbſchaft konkurriren, oder die Erbſchaft mag, wenn alle Bruͤder und Schweſtern des Verſtorbenen vor ihm
Anmerkungen.
Es ſcheint dazu gegen das Weſen der Repräſentation, ſie in aufſteigender Linie zuzulaſſen. Ein Strom kehrt nie zu ſeiner Quelle zuruͤck.
Zum Art. 32. In KollateralLinie war die Anwen⸗ dung des Syſtems am ſchwuͤrigſten. Die Herkommen ſtellten drei verſchiedene Syſteme auf: nach dem ei⸗ nen war die Repraͤſentation auf die Geſchwiſter⸗ Kinder des Verſtorbenen beſchraͤnkt; nach dem andern dehnte ſie ſich auf alle Deszeudenten der Geſchwiſter aus; nach dem dritten ward ſie, wie in abſteigen⸗ der Linie, bis ins Unendliche zugelaſſen. Um unter dieſen drei Syſtemen eins zu waͤhlen, muſte man zuerſt unterſuchen, welches dem Wunſch der Natur, der Ordnung der Zuneigungen und dem vermuthli⸗ chen Willen des Verſtorbenen am angemeſſenſten ſey.
Wer keine Kinder hat und einen geliebten Bru⸗ der verliert, tragt natuͤrlich ſeine Neigung auf die Deszendenten dieſes Bruders uͤber: die naturliche Sympathie zwiſchen dem Alter und der Kindheit tragt noch dazu bei, dies Verhaͤltniß zu verſtaͤrken. Es iſt das Intereſſe des Staates, die Bande, welche die Familien vereinigen, nicht zu zerreiſſen. Aber das Geſetz darf auch nicht weiter gehn, als die Natu⸗ ſelbſt, und keine Neigungen vorausſetzen, wo keine beſtehen. Die Repraͤſentation auf alle Kollateral⸗ Verwandte ohne Unterſchied ausdehnen, wuͤrde vor⸗ ausſetzen daß der Verſtorbene fuͤr alle die naͤmliche


