6160 Zweites Kapitel. Von den zur Erbfolge erforderlichen Eigen⸗ ſchaften. Art. XV.
Um erben zu koͤnnen, muß man nothwendig im Augenblick der Eroffnung der Erbſchaft exiſtiren.
Demnach ſind unfaͤhig zur Erbſchaft:
1) Wer noch nicht empfangen iſt.
Anmerkungen. 8 weites Kapitel.
Sum Art. 15. In demſelben Augenblicke, wo die Erb⸗ folge eroͤfnet iſt, tritt auch das Recht des Erben ein; die Stelle des Verſtorbenen darf keinen Augenblick
unbeſetzt bleiben. Natürlich folgt daraus, daß man, um zu ertben, im Augenblicke des Todes eriſtiren muß. Wer nicht empfangen iſt, kann alſo nicht er⸗ ben. Ein Nichts kann keine Stelle einnehmen. Das Kind im Mutterſchooß wird aber fuͤr lebend ge⸗ achtet, wenn es anderſt lebensfähig zur Welt kommt; denn ſeine Exiſtenz iſt gewiß, obgleich noch nicht entwickelt, und muß nothwendig entſerntere Verwand⸗ te ausſchlieſſen(ſiehe lex antiqui 3.. si pars hered. peta- tur, leg. 7. et 26. F de statu hom. und das letzte Geſetz F. de ventre in possess. mitt.) Dieſe Befugniß hort aber auf, wenn bei der Geburt erkannt wird, daß die Frucht niche lebensfaͤhig iſt; es iſt eben ſo gut, wenn ſie blos gebohren wird, um zu ſterben, als wenn ſie nicht gebohren waͤre.(Siehe Lex III. J. 5. de posthumis hæredibus instituendis. Lex II. tit. eod. lex III. digest. de suis et legitimis hæredibus.) So wie ferner ein phyſiſches Factum einen Er⸗ hen, der nicht exiſtiren wuͤrde, oder zu eriſtiren aufgehoͤrt hätte, nicht eintreten läßt, ſo verhindert


