Teil eines Werkes 
Dritter Theil (1804)
Seite
11
Einzelbild herunterladen

611) Art. IX

Die Erbſchaft iſt, in Gemäßheit der im Geſetz: uͤber die Beraubung der CivilRechte in Gefolge ge⸗ richtlicher Verurtheilungen, enthaltenen Verfuͤgungen

Anmerkungen.

daß die naͤchſten Collateral Verwandten auch die erſte Stelle in der Neigung des Verſtorbenen behaupte⸗ ten. Wenn auch dieſe Vermuthung nicht ſo ſtark, als in gerader Linie iſt, ſo kann doch das Geſetz, wenn der Verſtorbene ſchwieg, keine andere, als die der nähern oder entfernteren Verwandſchaft annehmen.

Allein die Anwendung dieſer allgemeinen Grund⸗ ſatze konnte große Schwierigkeiten finden, denen man vorbeugen muſte. Es kam daher zuerſt darauf an, zu beſtimmen, in welchem Augenblick die Erbſchaft eroͤfnet wird; die Wichtigkeit dieſer Frage iſt augen⸗ fallend, da die Erben verſchieden ſein können, je nachdem die Erbſchaft fruͤher oder ſpaͤter eroͤfnet wird.

Ihre Beantwortung kann keinem Zweifel unterlie⸗ gen: ſobald wir ſterben, ſind die Bande zerriſſen, welche unſer Eigenthum an uns banden; das Geſetz kann ſie allein wieder anknuͤpfen. Traäte es nicht gleich ein, ſo wuͤrde angenblicklich das keinem Herrn zugehoe rige Vermoͤgen dem erſten beſten Preiß gegeben ſein. In dieſem phyſiſchen Augenblicke des Todes tritt der Erbe in die Rechte des Verſtorbenen ein: der iſt ſein Erbe, den das Geſetz in dieſem phyſiſchen Augen⸗ blicke dazu beruft. Der Tod allein eröfnet die Erb⸗ ge: es laͤßt ſich keine Erbſchaft eines Lebenden

enken.

Der wird aber nicht mehr dafuͤr gehalten, der bloß der Menſchlichkeit der Geſetze ſein ſchuldiges Haupt verdankt. Er kann nichts mehr beſitzen, denn er hat keine CivilEriſtenz mehr. Der natürliche Tod iſt ein phyſiſches und unwiderrufliches Factum; der Ci⸗ vil Tod eine moraliſche Beraubung, die eines Ur⸗ theils und der Vollſtreckung deſſelben bedarf. Wenn