642N Art. XLV. Die Verwandte, welche in weitern als dem zwölf⸗ ten Grade verwandt ſind, erben nicht. In Ermangelung von Verwandten von einem erb⸗ fähigen Grad in einer Linie erben die Verwandten der andern Linie das Ganze.
Piertes Fapitel
Anmerkungen.
Sum Art. 45§. Nach dem zwolften Grad kennt mau keine Verwandſchaft mehr. In der That wuͤrde dann der Beweiß zu ſchwer werden. Der Stolz hat eher als das Intereſſe die Genealogien aufbewahrt; die groͤſte Menge der Menſchen, der Eitelkeit der Ge⸗ burt fremd, iſt der Sorgfalt unfahig, welche nöthig iſt, um einen alten Urſprung zu erweiſen, und doch ſind die Geſetze fuͤr die Menge gemacht. Puſſerdem mußte das Geſetzbuch, auch wenn man von der Schwie⸗ rigkeit der Beweiſe abſtrahiren wollte, doch ein Ziel ſtecken. Wenn mau der Verwandſchaft ins unend⸗ liche nachſpüren wollte, ſo wuͤrde eine Vermiſchung der Familien daraus entſtehen; die Erben wuͤrden unzahlig werden, und um immer gerecht zu ſein, wuͤr⸗ de man in unendliche Theilungen und Prozeſſe ge⸗ rathen. Nach dem zwöolften Grad iſt man von dem gemeinſchaftlichen StammVater ſo weit entfernt, die Familien Neigungen ſind ſo abgenutzt, daß man ſich mehrentheils nicht mehr kennt, und ſolche Verwand⸗ te nicht mehr Recht als jeder Fremde haben.
Die einzige Gunſt, die man in dieſem Falle der Verwandſchaft bewilligen konnte, beſtand darin, daß man dem Verwandten, der der einzige im zwoͤlften Grade ſein wuͤrde, den Theil ſeiner Linie und zugleich jenen der fehlenden Linie zuerkannte.


