6210 Erſter Abſchnitt. Allgemeine Verfuͤgungen. Art. XXl.
Die Erbſchaften werden auf die Kinder und Des⸗ zendenten des Verſtorbenen, auf ſeine Aszendenten und ſeine Kollateral Verwandte in der Ordnung und nach den Regeln, welche hiernach beſtimmt ſind, ubertragen.
Art. XXII. Das Geſetz erwaͤgt weder die Gattung noch den
Anmerkungen. Ditr 5 p e
8um Art. 22. Es beſtand in dieſer Hinſicht zwiſchen dem römiſchen Rechte und den Herkommen ein offen⸗ barer Widerſpruch. Nach dem erſten bildete alles Vermögen des Verſtorbenen nur eine Maſſe, welche dem nachſten Verwandten zufiel. Nach den Herkom⸗ men gab es hingegen ſo viel Erbſchaften, als es Gattungen von Gütern gab. Ein Verſtorbener hin⸗ terließ einen Erben der Moͤbel und Achneſte, einen Erben der eigenthuͤmlichen väterlichen Guter, und einen des eigenthuͤmlich muͤtterlichen Vermoͤgens. Zuweilen konute dieſelbe Perſon alle dieſe Eigenſchaf⸗ ten vereinigen, aber oft waren ſie unter mehrere Häupter zerſtreut, die ſelbſt unter ſich oft nicht ein⸗ mal durch die Bande der Verwandſchaft verbunden waren.
Der Wunſch, die FamilienGuͤter beiſammen zu be⸗ halten, hatte zuerſt den Unterſchied der eigenthuͤmlichen Guter, d. h. der durch Erbſchaft zugefallenen Im⸗ mobilien, in die Herkommen aufnehmen laſſen.


