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30. Der wegen Nichterſcheinung Verurteilte, kann auch, wenn er ſich erſt nach Verlauf der fuͤnf Jahre eingeſtellt, oder wenn er erſt nach die⸗ ſer Zeitfriſt verhaftet worden, durch das neue Ur⸗ teil entweder freigeſprochen oder zu einer Strafe
verurteilt werden, welche den buͤrgerlichen Tod nicht nach ſich zieht. In dieſen beiden Faͤllen
tritt derſelbe ohne Einſchraͤnkung, in ſeine buͤrger⸗ lichen Rechte ein, jedoch nur fuͤr die Zukunft, und von dem Tage an gerechnet, wo er wieder in den Haͤnden der Gerechtigkeit war. Aber in Hinſicht auf die Vergangenheit behaͤlt das erſte Urteil alle Wirkungen, welche der buͤrgerliche Tod gehabt hatte in dem Zeitraum zwiſchen dem Augenblick, wo die fuͤnf Jahre verſtrichen waren, bis auf den Tag, wo er ſich wieder in richterlicher Gewalt befand.
31. Wenn der wegen Nichterſcheinung Ver⸗ urteilte in der Gnadenfriſt von fuͤnf Jahren ſtirbt, ohne daß er ſich eingeſtellt, oder ohne daß er er⸗ griffen oder verhaftet worden waͤre; ſo wird er gehalten wie derjenige, der im voͤlligen Beſitz ſei⸗ ner Rechte geſtorben iſt. Das Contumazurteil iſt ohne weiters von Rechtswegen vernichtet, unbe⸗ ſchadet der Klage um Entſchaͤdigung, welche jedoch nur auf dem Civilwege(1) gegen die Erben des
Verurteilten angeſtellt werden kann.
(1) D. h. vor den buͤrgerlichen, und nicht vor den peinlichen Gerichten.


