Teil eines Werkes 
Erste Abtheilung, Privatrecht : Erster Theil (1809)
Entstehung
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der poſitiven Geſetgebung nothwendig vorhergehen muß, ſo

antworte ich unbedenklich: Nein. Die praktiſche Grundſaͤtze des Naturrechts ſind meiſtens oder alle in das poſitive Recht aufgenommen worden, und werden mit den Vorſchriften dieſes lezten vorgetragen. Diejenige, welche wir nicht da⸗ rin wiederfinden, ſind weniger Vorſchriften als Gefuͤhle.

Wer ein Gewiſſen hat, weiß die Tugend vom Verbrechen

zu unterſcheiden. Was eingebohren iſt, braucht nicht gelehrt zu werden. Hoͤchſtens iſt es Sache der Logik, in Kolliſi⸗

onsFällen von Pflichten und Gefühlen den Ausſchlag zu

geben. Wenn wir dieſe Grundſaͤtze auf die Gegenſtaͤnde der poſiti⸗ ven Geſetzgebung anwenden, ſo ergeben ſich folgende Reſul⸗

tate:

Das poſitive Geſetz kann nicht gebieten, zu rauben, zu morden, weil es ſich ſonſt mit der Vorſchrift des Natur⸗ rechts in offenbarem Widerſpruch befinden wuͤrde: was du nicht willſt, daß man dir thun ſolle, daß thue andern auch nicht; es iſt der individuellen Freiheit und dem Eigenthum Achtung ſchuldig, weil dieſe Rechte aus dem Naturrecht herfließen; aber es kann die Ausubung derſelben durch jeden Einzelnen in ſoweit beſchraͤnken, als noͤthig iſt, um ſie allen Mitgliedern der Geſellſchaft zuzuſichern. Daher die Geſetze uber den der Regierung ſchuldigen Gehorſam, uͤber die Steuern, Abgaben, Militair Dienſte ꝛc. die uͤber die Einheit und Stabilität der Ehen, die Krimina Geſetze, kurz alle diewelche, wie wir gleich ſehen werden, ſtaats⸗ rechtliche Verordnungen genannt werden, ſo wie die, welche, obgleich im PrivatRecht befindlich, dennoch

ebenſowohl mit Hinſicht auf den allgemeinen als den Pri⸗