Jahrgang 
3 (1863)
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18 Tante Henriettens Hochzeit.

liebes Kind, das mußt du ſelber wiſſen. Ich weiß aber, daß ich, falls ich ein junges Mädchen wäre, ihn nicht nehmen würde. Verlobung feiern wir übrigens jedenfalls noch nicht heute.

Mein Vater war ſehr gaſtfrei, und meine Mutter liebte nichts mehr, als ihre Gäſte recht gut zu bewirthen. Die Ankunft des Paſtors Gall war eigentlich erſt auf den Nachmittag erwartet worden, und ſo war das Mittageſſen in faſt gewöhnlicher Weiſe abgehalten. Beim Abendbrod dachte aber meine Mutter dasjenige nachzuholen, was ſie ihrer Anſicht nach einem Gaſte ſchuldig war; ſie machte ungewöhnliche Anſtalten. Chriſtian Schmidt erhielt Bofehl, ſeine beſte Livree anzulegen.Pudere Er ſich auch recht ſauber und binde Er ſich den Haarbeutel mit den breiten Schleifen ein, Schmidt. Und dann mache Er eine Empfehlung von mir an den Herren Landeskaſſirer, und frage Er bei demſelben an, ob der Johann Ihm heute Abend nicht ein wenig ſerviren helfen dürfe, ſagte meine Mutter.

Etwa eine Stunde, bevor zu Tiſche gegangen werden ſollte, kamen, wie ſchon geſagt, faſt unerwartet, meine Brüder und wurden von der Mutter und uns Kindern mit Jubel und Umarmungen und Küſſen, von dem Vater mit ernſter Herzlichkeit empfangen.George, wie breit und braun biſt du geworden. Aber was? Gar kein Puder, gar kein Haar⸗ beutel? Junge, du ſchimpfirſt ja gänzlich dein ordentlich Menſchenange⸗ ſicht! Und du auch nicht, Auguſt?O Mama, kein ächter Göt⸗

tinger Burſche trägt jetzt noch ſolche Alfanzereien.Was macht mein alter, lieber Lichtenberg, Auguſt? fragte mein Vater.Er wird kör⸗

perlich von Tage zu Tage ſchwächer, aber ſein Geiſt und ſein Witz ſind dieſelben, und gerade er hat kürzlich durch ſeine Phyſiognomik von Bur⸗ ſchen und Sauſchwänzen, den Zöpfen und Haarbeuteln in Göttingen den Todesſtoß gegeben, erwiderte mein Bruder.Ordentlich und ſauber ankleiden müßt ihr euch aber jedenfalls ſofort, denn wir haben Gäſte zum Abendbrod, ſagte meine Mutter.Gäſte, Mama? Nun, das trifft ſich ja prächtig. Wir wollten Sie und den Vater ſo eben fragen, ob es uns geſtattet ſei, einen Freund, der mit uns von Göttingen gekommen iſt, heute Abend Ihnen mit zu Tiſche zu bringen.Einen Freund? Wer iſt das? Es iſt doch ein ordentlicher Menſch?Du wirſt doch nicht ſchon im Voraus in die Freunde deiner Söhne ein Mißtrauen ſetzen wollen, liebe Eleonore? fragte milde mein Vater..

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