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Von Stuhlmann. 19
Galerius niger machte bei ſeinem Eintritt auf die Studenten keinen gerade vortheilhaften Eindruck. Sie kümmerten ſich übrigens nicht ſtark um ihn, ſonderlich da ſie keine Ahnung davon hatten, was ihn hierher geführt hatte. Er ſelber hielt es ziemlich unter ſeiner Würde, ſich näher mit den jungen Leuten abzugeben, und weshalb hätte er dies auch thun ſollen, da er in meinem Vater bereits einen geduldigen Zuhörer für ſeine gelehrte Langweil gefunden hatte? Chriſtian Schmidt erſchien jetzt und meldete, daß ſervirt ſei.
Meine Schweſter, welche ſich bisher bei der Bereitung des Abend⸗ eſſens betheiligt hatte, fuhr ordentlich erſchrocken zuſammen und wurde erſt blaß, dann purpurroth, als ſie, bei ihrem nunmehrigen Eintritt ins Zimmer, ploͤtzlich den Herrn von G., von deſſen Anweſenheit ſie keine Ahnung hatte, erblickte. Bruder George ſtellte ihr raſch denſelben vor: „Mein beſter, mein intimſter Freund, Herr Studioſus von G., liebe Hen⸗ riette!“—„Darf ich mir die Ehre ausbitten, Sie zu Tiſche zu führen, mein gnädiges Fräulein?“ fragte Herr von G. ſchüchtern. Und verſchämt und ſchüchtern reichte meine Schweſter ihm den Arm, oder ließ vielmehr ihn denſelben nehmen.
Herr Paſtor Gall, welcher, als meine Mutter zum zu Tiſche gehen aufforderte, ſich gerade mit ſeinen Erzählungen in der großen thebaiſchen Wüſte und zwiſchen den Anachoreten, Cenobiten und Sarabaiten, welche ſie in den erſten chriſtlichen Jahrhunderten bewohnten, erging, konnte ſich nicht ſehr raſch aus dieſem weiten Sandmeer herausfinden, und als er es nun endlich gethan hatte und ſich nach ſeinem Schatze umſah, da fand er dieſen bereits von einem Anderen in Beſchlag genommen. Wäre dieſer Andere kein Edelmann geweſen, ſo hätte Herr Paſtor Gall wahrſcheinlich einen Verſuch gemacht, die Rechte, welche ihm ſeiner Meinung nach gebührten, wieder zu erlangen, aber vor einem Edelmann— und der Herr von G. war ihm obendrein als Sohn eines damals allgemein bekannten kurlän⸗ diſchen Großen und als Neffe eines mecklenburgiſchen Barons präſentirt worden,— hatte er, als ein ächter Sohn ſeines Landes, einen ſchon mit der Muttermilch eingeſogenen Reſpect. Meine Mutter, welcher übrigens dieſe That des Herrn von G. und die Nonchalance Henriettens gegen ihren Bewerber gar nicht behagte, ſuchte dem Herrn Paſtor dadurch wohl zu thun, daß ſie ſelber ihn ſich als Tiſchführer erbat, und daß ſie es ſo ord⸗
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