Von Claire von Glümer. 11
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mit ſeinem Töchterchen ſpielte, hätte ich nie gewagt mich niederzuſetzen, bis ich ausdrücklich die Erlaubniß dazu bekam.
„Dieſe Ehrerbietung gegen den Herrn und ſein eigener großer Stolz waren übrigens alles, was an den alten Glanz von Roc-estroit erinnern konnte. Durch die Revolution hatte die gräfliche Familie faſt ihr ganzes Vermögen verloren, und das wenige, was ſie noch beſaß, wurde von Pro⸗ zeſſen verzehrt. Von einem Jahre zum andern mußten größere Einſchrän⸗ kungen gemacht werden, und als Alix zehn Jahre alt war, beſtand die ganze Dienerſchaft außer mir nur noch aus zwei Perſonen, dem alten Ivo— des Grafen Kammerdiener, der jetzt auch den Garten beaufſichtigte— und der dicken Babette, einer Bauermagd, die unſere einzige Kuh verſorgte und auf ein paar Gartenbeeten das Gemüſe baute, das wir brauchten. Aber es ging ſo recht gut. Der Park gefiel mir eigentlich viel beſſer, ſeit nicht mehr ſo viel darin gehackt und beſchnitten wurde; Wagen und Pferde waren abgeſchafft, alſo war auch der Kutſcher entbehrlich, und die wenigen Ge⸗ richte, die ich zu kochen verſtand, konnte ich auch ſelbſt mit auftragen und ſerviren. Der alte Ivo ſtand hinter dem Stuhle des Herrn Grafen, ich bediente mein Fräulein, und ich glaube nicht, daß wir jemals irgend etwas vernachläßigt haben, denn es war zu ſchrecklich, wenn die großen blauen Augen des Herrn zornig außblitzten.
„Daß dies einfache, beinah ärmliche Leben die Gäſte eher abſchreckte als anzog, könnt Ihr wohl denken. Es wurde von Jahr zu Jahr einſamer in Roc⸗estroit, und endlich kam außer dem Herrn Pfarrer niemand mehr, als die Pathe der verſtorbenen Frau Gräfin. Sie hieß Fräulein Iſabelle von Kertalon, ließ ſich aber Frau Chanoineſſe nennen. Sie war eben ſo ſtolz wie der Herr Graf, aber viel ſteifer und kam mir mit ihrer aufrechten Haltung, ihrer ſtrengen Miene, ihren weißen Locken, der Spitzenkrauſe und dem ſchwarzen Kleide grade ſo vor, als ob ſie aus einem der alten Bilder herausgeſchnitten wäre, die in der Halle von Roc⸗estroit hingen.
„Nun ſprach ſie zwar nicht anders mit mir, als wenn ſie einen Befehl zu geben hatte, aber ich freute mich doch jedesmal, wenn ſie kam, denn ſie war ſehr gut gegen Alix, brachte ihr allerhand hübſche Sachen mit, die das arme Ding ſonſt nie bekommen hätte, gab ihr Unterricht im Filetſtricken, im Sticken und andern Arbeiten, die ſich für ein junges Fräulein ſchicken, und war ebenſo ſtolz auf die Kleine, wie der Herr Graf oder ich. Darüber machte ſie freilich eben ſo wenig Worte, wie über alles Andere in der Welt;


