Teil eines Werkes 
Band 2
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eigenen Händen zuſammenſchreinert. Wahrſcheinlich hat der Schlitten jenen ſonderbaren Namen deßwegen erhalten, weil der Köhler mit ihm über Bergabhänge und Felſenſchluchten hinabfährt, welche man nur für Gaiſen paſſirbar halten könnte. Das Ausſehen des Köhlers, wenn er ſich an ſeine Gais geſpannt hat, iſt übrigens von der Art, daß man ſich leicht vor ihm fürchten könnte, denn er hat dann der Kälte und ſcharfen Winde wegen, den breitrandigen Hut tief in's Geſicht gedrückt und Mund und Naſe feſt mit einem Tuche umwickelt, ſo daß nur die feurigen Augen und der zu Eis ver⸗ wandelte Schnurr⸗ und Krnebelbart ſichtbar ſind. Solcherlei Art iſt das Leben des Köhlers von ſei⸗ nem vierzehnten Jahre an, wo er als Lehrling bei ſeinem Vater ein⸗ tritt, bis zu ſei⸗ nem hohen Alter, wo ihn die Kräfte zu verlaſſen drohen- Allein ſo wenig be⸗ neidenswerth auch ſein Loos erſchei⸗ nen mag, ſo würde er doch mit keinem andern tauſchen, denn er allein hält ſich für einen freien Mann. Darum ſieht er mit ziem⸗ licher Verachtung auf ſeine Kollegen nieder, welche als kohlenbrennende Taglöhner im Dienſte eines Koh⸗ lenhändlers ſtehen, obgleich dieſe das vor ihm voraus haben, daß ſie nicht eben ſo ſehr in der Einſamkeit zu leben gezwungen ſind, als er. Die taglöhnenden Köh⸗ ler Unteröſtreichs nämlich wohnen zwar auch im Walde,

Feierſtunden. 1865.

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ten u. ſ. w., nothwendig anders geſtalten, als der des unabhängigen Kollegen in den Bergen oben.

Wieder einen ganz anderen Charakter bekommt der ſo⸗ genannteKohlenbauer, welcher ſich von ſeinem ſoeben geſchilderten Kollegen dadurch unterſcheidet, daß er nicht nur Kohlenproducirt, ſondern dieſelben auch ſelbſtver⸗ ſchließt undverkauft. Er theilt das Jahr in zwei Par⸗ thien, in die des Schaffens und in die des Handelns. Die erſtere Parthie iſt die länger andauernde, und in dieſer Zeit brennt der Kohlenbauer ſeine Kohlen. Allein ſeine Kohlengrube befin⸗ det ſich nicht in der Wildniß, ſon⸗ dern vielmehr in der Nähe der Thal⸗ ebene und des Dor⸗ fes, in welchem er ſeine Heimath hat. muß er hier ſein Holz viel theurer bezahlen, als der Köhler der Wald⸗ einöde; allein er weiß auch, daß er durch den Selbſt⸗ verkauf ſeiner Koh⸗ len weit mehr er⸗

lege Nro. 1, und ſcheut ſich daher vor dieſer Mehr⸗ ausgabe nicht. Hat er nämlich einen ziemlichen Vorrath von Kohlen erzeugt, ſo tritt er in das zweite Stadium ſeiner Thätigkeit, das iſt in die Pe⸗ riode des Handelns Hiezu gehört vor Allem ein eigener Wagen mit eige⸗ nem Roſſe. Der Wagen iſt nicht zwei⸗, ſondern vier⸗ 22 räderig, und hat in der Mitte einen großen Bauch von Weidengeflechte, in welchem die Kohlen aufgeſtapelt werden.

aber nicht auf den Bergeseinöden, ſondern immer in Thä⸗ Rings um den Weidenkorb herum werden grüne Tannen⸗

lern, welche ſo geſchickt liegen, daß das Holz durch ſoge⸗ zweige geſteckt,

um das Herausfallen der Kohlen zu hin⸗

nannteRieſen oder künſtlich gefertigte Holzſchlittebahnen dern, und hiedurch bekommt der Aufzug des Köhlers ein

von den Bergen herab geflößt werden kann. Hier bauen äußerſt luſtiges Ausſehen. allein alle Zeit muntere, wenn auch nicht allzu große Roß, wel⸗

ſie ihre Kohlengruben, gerade wie der Bergköhler,

es ſind vielleicht vierzig oder fünfzig ſolcher Kohlenhütten chem der Köhler ſeine beſondere Vorſorge widmet. neben einander, und für die Arbeiter iſt eine eigene Woh⸗ Wege nämlich,

Dieſem entſpricht das ſtarke und

Die welche anfangs, bis man auf die große

nung errichtet, wo ſie nicht nur zuſammen ſchlafen, ſondern Landſtraße kommt, paſſirt werden müſſen, ſind meiſt in auch zuſammen auf Koſten des Kohlengrubenherrn oder einem äußerſt primitiven Zuſtand, und dazuhin oft ſo ſteil

Kohlenhändlers geſpeist werden. So leben ſie alſo als ledige Männer in Kompagnien zuſammen, und demnach

muß ſich auch ihr Charakter, ſchon deßwegen, weil ſie wie

andere Knechte behandelt werden, einen Monatslohn erhal⸗

oder abſchüſſig, daß ein äußerſt kräftiges und gutgenährtes Thier dazu gehört, um die angehängte Laſt nicht ſtecken oder in die Tiefe hinab ſtürzen zu laſſen. Ueberdies pflegt der Cohlenbauer, wenn er einmal die Landſtraße erreicht hat,

Allerdings

löst, als ſein Kol⸗

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