Teil eines Werkes 
Band 2
Seite
289
Einzelbild herunterladen

Feierſtunden. 1865.

::O:;

Des Bürſtenbinders Sohn.

Novelle von A. Schiller. (Fortſetzung zu S. 257.)

den Erinnerungen zehrt? Was dem, deſſen Leben im Ge⸗ leiſe der Alltäglichkeit und bürgerlichen Beſchränktheit hin⸗ fließt, der am Abend froh iſt, wieder einmal des Tages Laſt und die Sorge um das Nöthige hinter ſich zu haben Was aber ſind ſie dem, der in die Höhe ringt, der ſſ ſelbſt geſtaltet und eine Welt in ſich aufnimmt, der Alll was ihm begegnet, den Stempel der eigenen Bedeutang

Drittes Kapitel.

Acht Jahre waren ſeit Heinrichs Wanderung nach der wunderbaren alten Stadt Nürnberg, dieſer Wiege deutſcher Kunſt und Poeſie, dieſer ehemals mächtigen Handelsſtadt verfloſſen. Acht Jahre! was ſind ſie für den, der auf des

Lebens Höhen angelangt iſt, und beim Abwärtsſteigen von

aufdrückt, und vom Knaben zum Manne in dieſer Zeit ge⸗ vollſten Lehrzeugniſſen, nach dreijährigem Aufenthalte in

reift iſt? Jenen ein Sandkorn mehr, das ſo gleichmäßig wie die andern von des Lebens Uhr herabgefallen iſt, die⸗ ſem ein Meer, auf dem er gerudert, oft von den ſtürmi⸗ ſchen Wellen der Leidenſchaft emporgeſchleudert, oft ein Irrlicht für den leitenden Pharus nehmend und dann ſei⸗ ner ganzen Kraft gebrauchend, um das rechte Fahrwaſſer wieder zu gewinnen; oft verzweifelnd, ob er je an das Ziel gelangen werde, wenn er nichts als Wogen und das uner⸗

Nürnberg ſich ſeinen Eltern als Maurer⸗ und Zimmer⸗ geſelle zeigen wollte. Dem alten Herkommen zum Trotz hatten ihm die Prüfungsmeiſter, auf Antrag ſeines Lehr⸗ herrn, des Baumeiſters S., das Zeugniß der Reife nach ſo kurzer Lehrzeit aus voller Ueberzeugung ertheilt. Mit dem Verſprechen der baldigen Wiederkehr ſchied er vom Meiſter und der ſchönen Klara, welche er wie einen Bruder liebte. Als der neunzehnjährige Jüngling das elterliche

2 Zreichbare Blau des Himmelsgewölbes erblickte, aber doch ber Ser mit dem friſchen Muth weiter ringend, den das i Wenian hoher Ziele gibt, bis er feſten Boden unter ſei⸗ Fizu verberfühlt, auf dem er das Werk beginnen kann, zu waren zu uebildet. über die gr hatte in dieſen acht Jahren ſeine Heimath machen; ny beſucht; zuerſt, als er, mit den ehren⸗

Haus betrat, waren es Hedwig und ſeine Mutter, die ihn zuerſt erkannten. Er war groß und kräftig geworden, der ſchöne Kopf hob ſich frei und die blauen Augen glänzten von dem Feuer, das in ihm wohnte; ſeine Geſichtsfarbe war etwas dunkler geworden, und ein Bärtchen begann auf der Oberlippe zu keimen. Als die Mutter nach dem erſten Willkommenjubel ihn beobachtete, ſah ſie in ſeinen Augen

37 N

1