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gebildet, und hat meiſt die Form einer Halbkugel.
Feierſtunden. 1865.
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einmal erwacht neues Leben in ihm, denn er weiß nun, daß er allda Menſchen treffen muß. Rüſtig greift er von Neuem aus,— hinein in das Geſtrüpp, hinauf auf die Felſen— und nach wenigen Minuten vielleicht ſchon, viel⸗ leicht auch erſt nach einer Viertel⸗ oder halben Stunde (denn die Entfernung iſt in ſolchen Gegenden, wo die freie Ausſicht gehemmt iſt, nicht gar leicht zu bemeſſen) erreicht er die Stätte, von welcher der Rauch ausgeht. Und ſiehe da, er hat ſich nicht getäuſcht! Vor ſich ſieht er einen Koh⸗ lenmeiler und daneben eine Baumhütte, welche ſicherlich einen Menſchen, wenn nicht gar zwei bergen muß. Er ſteht ſtill, ſich umzuſchauen, und nach kurzer Zeit tritt ihm eine rußige Geſtalt entgegen, welche ihn wohl tief erſchrecken würde, wenn er nicht ſchon vorher auf ihre Erſcheinung gefaßt geweſen wäre!
Betrachten wir den Kohlenmeiler, die Baumhütte und die rußige Geſtalt etwas näher. Der Meiler wird aus Nadelholzſtämmen, welche oft an die zwei Fuß dick ſind.
ie Grundfläche iſt in die Erde hinein gegraben, und auf dieſe wird Scheit auf Scheit kunſtreich gefügt, bis der Holzſtoß eine Höhe von 3 bis 4 Klaftern erreicht hat, worauf dann die Hölzer ſo gelegt werden, daß ſie eine Wölbung bilden. Jeder Meiler hat ſeine Zugkanäle, welche man öffnen und ſchließen kann, und gerade darin beſteht die Kunſt des Köh⸗ lers, daß er die Kanäle ſowohl als den Meiler ſo auf⸗ baut, daß er das Feuer durch Oeffnen oder Schließen der Luftzugänge vollſtändig in ſeiner Gewalt hat. Vom Holz ſieht man übrigens bei einem Kohlenmeiler nichts, denn derſelbe iſt durchaus mit Erde oder noch beſſer mit feuch⸗ tem Raſen bedeckt, durch welchen der Rauch ausdringt. Eine Flamme ſieht man auch nie, außer in dem Augen⸗ blicke, wo der Meiler angezündet wird, denn das Holz ſoll nicht verbrennen, ſondern einfach verkohlen. Eben deßwegen dauert es, je nach der Maſſe von Holz, das man verwen⸗ det, oft mehrere Wochen, bis ein Meiler vollſtändig aus⸗ gebrannt iſt, und während dieſer ganzen Zeit hat der Köh⸗ ler faſt Tag und Nacht mit ſeinem Schürhaken und ſeinen Schließen dafür zu forgen, daß das Feuer ſich gleichmäßig und allgemein im Meiler verbreitet, und an keiner Stelle zu ſchwach oder zu ſtark brennt. Iſt der Meiler ausge⸗ brannt, ſo läßt man ihn abkühlen, deckt ihn ab, nimmt die fertigen Kohlen heraus, ſchichtet ſie auf und beginnt alsbald mit der Anlegung eines neuen Holzſtoßes.
Hart neben dem Meiler befindet ſich die Baumhütte, von der wir eben geſprochen. Sie iſt ſo niedrig, daß auch ein kleiner Mann nicht aufrecht darin ſtehen kann, denn eine niedrige Hütte hält die Wärme mehr bei einander, als eine hohe. Wände und Dach ſind aus dünnen Baumſtäm⸗ men mit durchflochtenen Zweigen gefertigt, und jede Oeff⸗ nung iſt ſorgfältig mit Moos verſtopft. Den Boden bil⸗ det die bloße Erde, aber Moos und Laub, das wohl Fuß dick aufgeſchüttet iſt, verhindern jedes Eindringen von Feuch⸗ tigkeit. Fenſter iſt keines angebracht, wohl aber eine nie⸗ dere Thüre, welche aus biegſamen Zweigen geflochten wurde. Auch ſieht man keinerlei Art von Möbeln, ſondern ein kurz abgeſägter Baumſtamm muß die Stelle eines Tiſches ver⸗ treten, während das Laub auf dem Boden die Bettſtatt
hildet ier in dieſer Hütte nun, weit, weit von allen an— dern Menſchen entfernt, wohnt der Köhler den größten Theil des Jahres hindurch. Mit dem Beginn des Jahres nämlich kauft er vom Waldbeſitzer die Hunderte von Baum⸗ ſtämmen, deren er benöthigt iſt, und fängt ſofort an die⸗
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ſelben zu fällen und zu ſeinem Bedarfe zuzurichten. Mit dieſer Beſchäftigung bringt er drei bis vier Monate hin, und faſt während dieſer ganzen Jahresperiode ſchläft er die Nacht über in ſeiner Hütte. Jeden Samſtag dagegen wan⸗ dert er in das kleine, vielleicht 5 oder 6 Stunden weit ent⸗ fernte Dörfchen, in welchem er eingebürgert iſt, hinab, um Weib und Kind zu beſuchen und den andern Tag dem Gottesdienſte beizuwohnen. Dieſer kurze Beſuch iſt die einzige Zeit, wo er mit ſeines Gleichen zuſammenkömmt, um als Menſch unter Menſchen zu leben, denn ſchon am Montag in der Frühe macht er ſich mit Vorräthen für die angebrochene Woche beladen, wieder auf den Weg, um in die Wald⸗Einöde zurückzukehren. Mit dem Beginn des ſchönen und trockenen Wetters fängt er an, ſeine Meiler zu bebauen, und fährt damit fort, bis die Nachtfröſte kom⸗ men und der erſte Schnee fällt. Während dieſer langen Zeit iſt er durchaus auf ſeine Hütte angewieſen. Nicht einmal Sonntags darf er es ſich erlauben, auszuruhen, und ebenſo muß er auch die Samſtagswanderung in ſein Heimathdörfchen gänzlich unterlaſſen. Dagegen erhält er hie und da, in der Woche wenigſtens einmal, Beſuch, ſei es nun von ſeinem Weibe oder von ſeinem älteſten Kna⸗ ben, welche ihm die nöthigen Lebensmittel zutragen, und dieſer Beſuch iſt immer ein Feſttag für ihn. Die Lebens⸗ mittel ſind übrigens ſehr einfacher Natur und beſtehen meiſt in Kartoffeln und Brod, hie und da auch aus etwas Mehl nebſt Salz und Schmalz. Ebenſo einfach iſt die Zuberei⸗ tung derſelben, denn ein kleines Loch vor ſeiner Hütte bil— det die Feuereße, in welcher er ſeine Kartoffeln bratet oder ſeinen Brodkuchen backt.
Man kann ſich nun wohl denken, daß eine ſolche ein⸗ fache und einſame Lebensweiſe auf den Charakter und das Weſen des Köhlers einen ganz eigenthümlichen Einfluß aus⸗ üben muß. Der Mann wird ſcheu, ſchweigſam, faſt ſtumm, und man muß ſich nur wundern, daß er das Reden nicht ganz verlernt. Dagegen iſt er bieder und ehrlich und ſein einfaches Wort gilt ſo viel als bei einem Andern ein dop⸗ pelter Eid. Weil es ihm an Waſſer gebricht(er muß die— ſes oft Stunden weit vom Thale heraufſchleppen) denkt er nur ſelten daran, ſein kohlengeſchwärztes Geſicht zu waſchen, aber man darf deßwegen nicht glauben, daß ſein Inneres ebenſo teufelmäßig ſei, als ſein Aeußeres erſcheint. Mit der Kultur ſteht er freilich nicht auf dem beſten Fuße, denn wenn er auch in ſeiner erſten Jugendzeit, die er im⸗ mer in dem Dörfchen, in welchem jetzt ſeine Familie lebt, zabrachte, einiges Leſen und Schreiben lernte, ſo hat er dieſes bei der Hitze, die ſeine Kohlenmeiler verbreiten, längſt wieder hinaus geſchwitzt, und vermag nunmehr kaum noch ſeinen Namen zu kritzeln. Dagegen aber haben ſeine kör⸗ perlichen Fähigkeiten ſich um ſo mehr ausgebildet, und er beſitzt das Auge eines Falken, ſowie das Ohr eines Luch⸗ ſes; ſeine Knochen und Sehnen aber ſind ſo erſtarkt, daß er mit Laſten, unter denen ein Anderer erliegen müßte, gleichſam nur ſpielt. Dieſe Kraft ſeiner Glieder hat er übrigens im Spätherbſt oder vielmehr beim Beginn des Winters überaus nöthig, denn nun beginnt der mühſamſte Theil ſeiner Arbeit. Sobald nämlich der erſte Schnee ge⸗ fallen iſt, ſo holt er ſeine„Gais“ herbei, um auf ihr die den Sommer über gewonnenen Kohlen in's Thal an eine fahrbare Straße herabzuſchleppen. Verwundert fragt der Leſer, was denn eine Gais ſei, denn er denkt ſich viel⸗ leicht etwas Lebendiges darunter; allein das Ding iſt nichts Anderes, als ein ſehr einfacher Holzſchlitten, den der Köh⸗ ler ſich aus dem zäheſten Holze, das er finden kann, mit


