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562 Feierſtunden. 1865.
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führer deſſelben, wenn er Lallys Hinrichtung einen„mit erklären vermag— der Geſchichtsſchreiber kann ſie nicht dem Schwerte der Gerechtigkeit begangenen Mord“ nannte. ohne tiefe Ergriffenheit berichten.
Auch d'Alemberts grauſam klingendem Wort liegt eine tiefe Es wurde ſchon bemerkt, daß mit Lally's Niederlage Wahrheit zu Grunde:„Jedermann war berechtigt, Lally das Schickſal der franzöſiſchen Kolonien in Indien für alle zu tödten, nur der Henker nicht.“ In der That war Nie⸗ Zeit beſiegelt war. Bei dem Friedensſchluß zwiſchen Eng⸗ mand der Verbrechen, wegen deren Lally verurtheilt wurde, land und Frankreich im Jahre 1763 wurde dem letzteren weniger fähig, als er ſelber. Er war ein ungeſtümer, ge⸗ zwar Pondichery zurückgegeben, allein mit einem ſehr ge⸗ waltthätiger und maßlos jähzorniger Charakter, während ſchmälerten Gebiet, und die Stadt lag in Trümmern und ſeine Aufgabe die ſchonendſte Rückſichtsnahme und Akkomo⸗ Schutthaufen. Wohl wurde ſie wieder im Jahre 1769 dation an die jeweiligen Umſtände forderte. Ein einziger aufgebaut und ihre Einwohnerzahl hob ſich allmählig bis Gedanke beherrſchte ihn durch und durch, und doch waren auf 30,000, allein mit Madras und Kalkutta konnte ſie die Intereſſen, denen er gleichzeitig Rechnung tragen ſollte, ſich nimmer meſſen. Auch Karikal, Tſchandernagor und ſo mannigfaltig und ſo verwickelt. Er verachtete und un⸗ die übrigen Faktoreien in Bengalen brachte der Frieden terdrückte die Indier, während ſie doch blos durch Schmei⸗ allerdings an Frankreich zurück, allein nur unter der läh⸗ cheleien zu gewinnen oder zu verführen waren. Das Schick⸗ menden Bedingung, daß dort keine Befeſtigungen angelegt ſal hatte ſich eine blutige Ironie erlaubt, indem es ihn auf werden durften. Der Wettkampf, den zwiſchen den beiden einen Schauplatz berief, der nicht für ihn geſchaffen war. Nationen Dupleix in Indien mit ſo günſtigem Erfolge für Ein loyaler Kavalier, ein muthiger Soldat, ein eifriger ſein Vaterland aufgenommen hatte, war unwiderruflich und Beamter, ſtieg er auf das Blutgerüſt, mit der dreifachen für immer zu Gunſten Englands entſchieden. Die Namen Anklage auf Unfähigkeit, Feigheit und Verrath belaſtet. der Dupleix und Lally deckt Vergeſſenheit, während die Wenn auch die Geſchichte dieſe furchtbare Kataſtrophe zu Clive und Haſtings Jedermann kennt.
Von ehemaligen Faſtnachtsluſtöarkeiten.
Eine kulturhiſtoriſche Skizze von Dr. Hugo Schramm.
„Die Narren die haben die Faſtnacht erdacht, drolligen Mummenſchanzes, in der durch die Masken, ſelbſt
Dadurch ſie haben getrieb'n ihre Pracht, bei der ſtrengſten Staatsform, der„Freiheit und Gleich⸗
Iſt mancher zum armen Mann gemacht. heit“ Toleranz gewährt wird, nach der„hohen Schule des
Dr. Sebaſtian Brant(Rechtsgelehrter zu Straß⸗ Leichtſinnes“, wie Alfred Meißner das Babylon unſe⸗ burg. 1458— 1520) in ſeinem„Narrenſchiff“.;
urg. 1458— 1520) in ſeinem„Narrenſchiff rer Tage ſo treffend bezeichnet, wo noch vor nicht zu lan⸗
Die Faſtnacht iſt ein altes verſchliſſenes Feſt, das ger Zeit ein Diderot die Tendenzen, nach welchen die man als Reliquie aus den früheſten Zeiten in der großen menſchlichen Dinge auf das höchſte Maß des Wohlbefindens Rumpelkammer des romantiſchen Mittelalters zur Erinne⸗ und des ſchmerzloſen, epikuräiſchen Glückes zu erheben wä⸗
rung an die Andacht unſerer A. ren, in ein feſtes Syſtem zu bringen ſuchte,— und es 3 acht unſerer Altwordern auſbewahrt werden dir gar manche Erſcheinungen des Mittelalters,
Ohne die Faſten hat das Feſt keinen Sinn und wir welche der allzu bedenkliche Skeptiker faſt nur für Phantaſie⸗ Norddeutſchen würden die abgeſtandene Narrethei und die bilder der Maler und Poeten hält, gar manche Schilderun⸗ „Bocksſprünge der Menſchlichkeit“ heut zu Tage gar nicht gen der modernen franzöſiſchen Kunſt und Literatur klar mehr begreifen, wäre nicht ſo viel Luſt und Scherz dabei, werden. denn am Ende iſt doch die Freude die Führerin durch un⸗ Oder ziehe, wann Gott Momus und Komus ihr ſer irdiſches Jammerthal. Narrenſcepter ſchwingen, nach der abenteuervollen, farben⸗
Dieſer Anſicht huldigen bekanntlich als dem einzigen prächtigen Stadt der Tizian'ſchen Frauengeſtalten, der endgültigen Kanon der Philoſophie ganz beſonders die heiß⸗ ſchwarzen, langgebauten Gondeln, der von einſtiger Größe blütigen, ſchnell⸗ und leichtlebigen, kecken Italiener und und Herrlichkeit erzählenden Marmorpaläſte und der mit Franzoſen, von welchen letzteren einmal ein Spaßvogel ge⸗ V unendlich vielen Brücken überwölbten Lagunen, von welcher ſagt hat:. einer ihrer Patrizier ſingt:„Freude und Rauſch! in der
„Herr, allmächtiger Gott, wie ſchufſt du ſo viel der Franzoſen! Welt findet dieſe Stadt nicht ihres Gleichen! Zaubereien Gleichen ja Alle ſich doch! Einer ja wäre genug!“ auf Zaubereien umfluthen dich, du Inſel der Kalypſo, . 4 1 Stadt der Venus! die Nächte hindurch ſpielt und tanzt man Daher kommt auch in den Hauptſtädten dieſer beiden in dir, Serenaden durchklingen deine Straßen vom Aufgang Nationen des Faſchings toller Jubel unter allen erdenk⸗ bis zum Untergang des Mondes.“ lichn Formen und Geſtalten zum freiſten und höchſten, jj Oder miſſche dich unter das luſtige, ausgelaſſene, über⸗ man kann ſagen, zum dämoniſchen Ausbruch, wobei die müthige Gefolge des alle launigen Intriguen beſchützenden, Faſtendeviſe: Tanz und Gelag iſt des Teufels Feiertag, in ewiger Jugendfriſche ſtrahlenden Prinzen Carneval, vielfach bewahrheitet wird und nicht nur die üppige Jugend⸗ wenn er in der Stadt, die der Mittelpunkt des Katholicis⸗ kraft ſich nach Herzensluſt austobt, ſondern auch das rei⸗ mus, aber auch die Heimathsſtätte des Pulcinells und der fere und überreife Alter ſich in die Narrenkappe ſteckt, um mit Confetti und Blumenſträußen geführten Kriege iſt, ſein darunter einmal wieder recht gründlich des Lebens Sorgen glänzendes Hoflager vom Obelisken auf der Piazza del und Mühen zu vergeſſen. Popole bis zum Venetianiſchen Palaſte aufgeſchlagen hat, Begieb dich, freundlicher Leſer, zur Zeit des 1eii—
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