Teil eines Werkes 
Band 2
Seite
557
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Feierſtunden. 1865. 559

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Die Franzoſen in Indien. Kulturgeſchichtliches Bild von Thaddäus Lau.

Lange bevor die Engländer ihre begehrlichen Blicke auf der haben aufgegeben werden müſſen, beruft ſich wohl, um die Schätze Indiens richteten, hatten dort die Franzoſen das Urtheil zu vertreten, auf das jüngſte einſchlagende Bei⸗ bereits Niederlaſſungen zu gründen verſucht. Schon unter ſpiel, auf die bisher ſämmtlich geſcheiterten Verſuche, aus Franz I. war der Gedanke zur Anregung gekommen, In⸗ Algier eine lebensfähige Kolonie zu ſchaffen. Das Urtheil dien dem franzöſiſchen Handel zugänglich zu machen, doch in ſeiner Allgemeinheit bedarf der Korrektur; es erſcheint blieb das Projekt in Folge der endloſen Kriege, in welche geradezu falſch, wenn man verfolgt, was die Franzoſen in jener König mit ſeinem Nebenbuhler Karl V. verwickelt der Zeit, von welcher wir ſprechen, unter den ſchwierigſten war, unausgeführt. König Heinrich IV. nahm auf Sullys Verhältuiſſen in Indien erreicht und geleiſtet haben. Jeder Betreiben ben Gedanken neu auf. Er gründete unter den Schritt, der hier gethan wurde, erforderte die höchſte Klug⸗ Rhedern in der Bretagne eine oſtindiſche Handelsgeſellſchaft, heit und Berechnung; bei jedem Schritt wollten zuvörderſt welche ſich jedoch nach einigen Jahren wieder auflöste, da mannigfache Hinderniſſe aus dem Wege geräumt ſein, wie die Theilnehmer nicht von vornherein die erwarteten lukra⸗ dieſelben aus den eigenartigen politiſchen und ſocialen Ver⸗ tiven Geſchäfte gemacht hatten. Auch Richelieu bemühte ſich hältniſſen des Landes entſprangen. Denn wir haben in vergebens, das Unternehmen in Gang zu bringen. Erſt Indien ein ganz eigenthümlich abgeſtuftes und zuſammen⸗ unter Colbert gelang es den Franzoſen, in Indien feſten geſetztes ſocial⸗politiſches Syſtem. An der Spitze des Gan⸗ Fuß bleibend zu faſſen. Die von dieſem Miniſter in das zen ſteht mit unbeſchränkter Machtvollkommenheit der Groß⸗ Leben gerufene Compagnie erhielt aus dem Staatsſchatze mogul, als Nachkomme Tamerlans; unter ihm ſtehen die einen unverzinslichen Vorſchuß von 15 Millionen Francs Subab, welche in ſeinem Namen die Provinzen verwalten, und ein fünfzigjähriges Monopol. Die bewilligten Geld⸗ doch ſo, daß ſich dabei manche derſelben zur Stellung von mittel ermöglichten unter der geſchickten Leitung von Fran⸗ ſelbſtſtändigen Fürſten emporſchwingen. Neben dieſen Statt⸗ cois Martin die Begründung einer Faktorei zu Pondichery haltern erhielten ſich noch viele eingeborene Fürſten im Beſitz auf der Küſte Koromandel, welche alsbald derartig erſtarkte, der alten Herrſchaft, die ſie jetzt freilich nur im Namen daß ſie die Eiferſucht der Holländer erregte. Die Letzteren des gemeinſchaftlichen Oberherrn weiter führten. Unter die⸗ zwangen zwar 1693 Martin zur Abtretung der Niederlaſ⸗ ſer Feudal⸗ und Beamtenhierarchie endlich ſtand als ſoziale ſung, indeß der Frieden von Ryswick gab die Stadt und Grundlage des Ganzen das Dorf mit ſeiner familienähn⸗ das Fort, welches hier die Generalſtaaten inzwiſchen mit lichen Selbſtverwaltung. Alſo die Gemeinde und die Re⸗ großem Koſtenaufwande angelegt hatten, an Frankreich zu⸗ publik als Baſis, die Lehnsariſtokratie als Mittelglied und rück, und die Faktorei blühte um ſo raſcher empor, als die der orientaliſche Deſpotismus als Krone und Schlußſtein! Einwanderung aus dem Mutterlande in jeder Weiſe unter⸗ Zu den Schwierigkeiten, welche für die Anſiedler aus die⸗ ſtützt wurde. Im Jahre 1697 hatte Pondichery ſtatt der ſer eigenartigen politiſchen und ſozialen Geſtaltung ſich er⸗ früheren 500 Einwohner deren bereits 20,000. Von der gaben, nehme man die weiteren Schwierigkeiten, welche den ſoliden Baſis, auf welcher das Unternehmen ruhte, und Fremden aus dem Unterſchiede der religiöſen Bekenntniſſe, von der geſunden Entwicklung, deren es ſich erfreute, zeugte insbeſondere aus den mit jenen zuſammenhängenden Koſten⸗ die Thatſache, daß die oſtindiſche Handelsgeſellſchaft die verurtheilen erwuchſen, die es mit vorſichtiger Beſonnenheit

furchtbare Kataſtrophe glücklich überſtand, welche die Ope⸗ ängſtlich zu ſchonen galt. Aber die Franzoſen mit ihrer rationen Law's über Frankreich brachten. Während die geiſtigen Gewandtheit, mit dem angeborenen Talente, ſich ſämmtlichen übrigen Schwindelprojekte des ſchottiſchen Aben⸗ gegebenen Zuſtänden zu accomodiren, ein charakteriſtiſcher teurers, die weſtindiſche, die chineſiſche, die afrikaniſche Han⸗ Zug dieſes Volkes, der ſich auch bei ihrem Verkehr mit den delsgeſellſchaft luigüih wie Seifenblaſen zuſammenbrachen, Indianern in Nordamerika ſo förderlich erwies, beſiegten hielt ſich die oſtindiſche Geſellſchaft nicht allein aufrecht, mit dem günſtigſten Erfolge die Hinderniſſe, die ſich in ſondern erzielte auch anſehnliche Dividenden, welche jedoch Indien ihrem Vordringen aus den angedeuteten Urſachen nach einem verſtändigen Beſchluß der Aktionäre nicht zur entgegen ſtellten. Während Dumas das Gebiet von Kari⸗ Vertheilung gelangten, ſondern theils zur Befeſtigung Pon⸗ kal erwarb, wurden von La Bourdonnais auf anderen dichery's, theils auf die Anknüpfung freundſchaftlicher Be⸗ Punkten der vorderindiſchen Halbinſel Niederlaſſungen an⸗ ziehungen mit den benachbarten Fürſten verwandt wurden. gelegt. Auf der Küſte von Malabar ſicherten ſich die Die letzteren Bemühungen, von dem gewandten Diplomaten Franzoſen den Bezug des Pfeffers, während ſie nach Su⸗ Dumas geleitet, der ſeit 1735 der Kolonie als Gouver⸗ rate die Seidenwaaren und Goldſchmuckartikel Lyons ein⸗ neur vorſtand, krönte der vollſtändigſte Erfolg. Das Münz⸗ führten. Weitere Niederlaſſungen, welche ſie auf der Inſel privilegium, welches Muhamed Schach der Niederlaſſung La France und auf Bourbon anlegten und die ihnen durch zugeſtand, gereichte derſelben zu großem Vortheil, und noch ihre Lage zwiſchen Madagaskar und Indien für ihre ande⸗ förderlicher erwies ſich für die Franzoſen die Erwerbung ren Beſitzungen von hoher Wichtigkeit waren, gediehen der Stadt Karikal und ihres Gebiets, welche ſie 1739 von gleichfalls vortrefflich, und endlich entwickelte ſich unter dem einem Prätendenten auf den Thron von Tanſchaur für das Gouverneur Dupleix die bengaliſche Stadt Tſchandernagor, Verſprechen der Hülfeleiſtnng und eine geringfügige Geld⸗ welche Aureng⸗Zeb der franzöſiſch⸗indiſchen Kompaguie 1688 ſumme erkauften. für 100,000 Livres abgetreten hatte, zu einem blühenden

Die Anſicht iſt ſehr verbreitet, daß die franzöſiſche Handelsemporium. Dupleix wurde 1742 als General⸗ Nation ſich zu Koloniſationsunternehmungen wenig oder gar gouverneur nach Pondichery berufen. Seine Verwaltung nicht eignet. Man ſtützt wohl die Meinung auf die viel⸗ bezeichnet den Höhenpunkt in der Entwicklung der franzöſiſch⸗ fachen derartigen Unternehmungen, welche im Laufe der indiſchen Handelsgeſellſchaft. Er nahm den ſeinem Vor⸗ Jahrhunderte von Frankreich verſucht worden find und wie⸗ gänger vom Großmogul verliehenen Titel eines Nabab an