—
—— ——=—
55⁵8
—;—
Feierſtun
——
—
Ueber dem Kalender erſcheinen nach der Folge die Bilder der mythologiſchen Gottheiten, nach welchen die Al⸗ ten die Wochentage benannt haben; ſo zeigt ſich Apoll am Sonntage, Diana am Montage u. ſ. w.
Darauf kommt die ſogenannte Löwengallerie, in deren Mitte ſich ein kleines Zifferblatt befindet, das die mittlere Zeit angibt und an den Seiten zwei Genien hat, von denen
den. 1865.
—————————
3 Fuß im Dur fange hatte.
—————
chmeſſer maß und 1200 Zähne am Um⸗
Nun verbreiteten ſich aber die Uhren ſo ſchnell, daß
deren Verfertiger ſogar
in eine Zunft zuſammentraten.
Mit Anfang des 16. Jahrhunderts begann man auch
bereits Taſchenuhren ſchon von einem ſogenannten Nürnberger Ei ſprechen
anzufertigen, und wer hätte nicht
der links Stehende mit einem Scepter an ein Glöckchen hören? Da eine ſolche Uhr jetzt zu den höchſten Selten⸗
ſchlägt, ſobald ¼ Stunde vorüber iſt, um die„vier Lebens⸗
heiten gehört,
ſo dürfen wir uns nicht wundern, wenn in
alter“ im oberen Stockwerk an ihre Schuldigkeit zu erin⸗ dieſem Jahre ein Nürnberger Ei mit der Jahreszahl 1500
nern, die Schläge kräftiger zu wiederholen, und der rechts Befindliche am Ende jeder Stunde eine Sanduhr umſtürzt.
Das Geſtock über der Löwengallerie enthält ein koper⸗ nikaniſches Planetarium, auf welchem ſich die ſieben ſicht⸗
wie in der Wirklichkeit bewegen. Ueber dem Planetarium ſchließlich werden die verſchiedenen Phaſen des Mondes an einer koloſſalen Kugel dargeſtellt.
Von den beweglichen Figuren fallen vorerſt die bereits erwähnten vier in die Augen, welche die Lebensalter vor⸗ ſtellen und die Theile der Stunde ſchlagen; die Stunde ſelbſt ſchlägt die Geſtalt des Todes. Höher oben erſcheint Chriſtus in ſeiner Glorie, und um die Mittagsſtunde ziehen die zwölf Apoſtel, die an ihren Symbolen kenntlich ſind, mit Bezeugung ihrer Ehrfurcht an ihm vorbei, während auf dem Nebenthürmchen der Hahn Kopf und Flügel be⸗ wegt, die Halsfedern aufbläht und dreimal kräht. In der Kuppel zeigt ſich die von Graß gefertigte Statue des Pro⸗ pheten Jeſaias; außerdem ſieht man die vier Evangeliſten, höher vier Seraphim und ganz oben den Herold der Stein⸗ metzen des Münſters, mit dem Wappen des Frauenhauſes.
Das Centralwerk der Uhr wird alle acht Tage einmal
und dem Namen Peter Heele(Erfinder der Taſchenuhren) für den enormen Preis von 8100 Francs durch den Ham⸗ mer eines Pariſer Auktionators losgeſchlagen worden iſt.
Ddiieſe primitiven Taſchenuhren beſaßen aber noch nicht baren Planeten nach ihrer Stellung um die Sonne ſo exakt äͤls bewegende Kraft eine ſpiralförmig gewundene Feder,
welche in einer Trommel eingeſchloſſen iſt, noch keine ſo⸗ genannte Unruhe, noch keine Schnecke oder Spindel, welche die allmählige Verlangſamung der Uhr in Folge der beim Ablaufen ſich ſchwächer ſpannenden Feder verhindert(ſtatt der Kette war eine Darmſaite angebracht). Deßhalb fehlte den früheſten mechaniſchen Uhren eine Genauigkeit, welche auf längere Zeit hin die kleineren Theile verbürgte, und deßhalb hielt man ſich noch immer an den durch den Me⸗ ridiandurchgang der Sonne Zu dem Ende waren an mehreren Orten, gewöhnlich in den Kirchen, die Meridiane durch polirte Metallſtreifen auf dem Fußboden bezeichnet, auf welche eine Oeffnung hoch oben in der Kirchenmauer den Schein der culminirenden Sonne fallen ließ, wonach dann Jeder ſeine Uhr reguliren konnte. 1
So geſchah es, daß nicht die mittlere, wahre(ungleichmäßige) Sonnenzeit von den Uhren ange⸗
bezeichneten(wahren) Mittag.
ſondern die
1 8 eigt wurde, was auch am richtigſten in einer Zeit war, aufgezogen und beſitzt einen aſtronomiſchen Regulator, der zeig 3— chtigſ 3
die Sekunden markirt. Dieſer, ſeinerſeits, wird durch einen Compenſationspendel und einer mit Edelſteinen, wie bei den Chronometern, verſehenen Hemmung im richtigen Gange erhalten. Das dem Uhrwerk die Bewegung mittheilende Gewicht iſt verhältnißmäßig außerordentlich gering. Die verſchiedenen Transmiſſionen, die Auslöſungen der mecha⸗ niſchen Faktoren dieſes Kunſtwerkes gehen ohne jedes ſtörende Geräuſch vor ſich. Das Werk iſt aus dem härteſten Me— tall angefertigt und kann ohne gewaltſame Beſchädigung noch nach tauſend Jahren richtig gehen.
Dies das hier Bemerkenswertheſte.
Das andere berühmte Uhrwerk war die große Thurm⸗ uhr des Juſtizpalaſtes zu Paris, die im Jahre 1370 un⸗ ter Karl V. von dem deutſchen Künſtler Heinrich von Wick angefertigt wurde und die erſte Thurmuhr überhaupt zu Paris war. Das Gewicht, wegung geſetzt wurde, war 500 Pfund ſchwer und ſtieg binnen 24 Stunden über 30 Fuß herab.
Zu aſtronomiſchen Beobachtungen wurde eine Uhr mit gezähnten Rädern zuerſt im Jahre 1484 von dem reichen Nürnberger Bürger B. Walther angewendet, der nach Regiomantan's— ſo wurde der Aſtronom Joh. Müller aus Königberg genannt— frühem Tode deſſen Beobach⸗ tungen fortſetzte. Um das Jahr 1560 beſaßen der Land⸗ graf von Heſſen und Tycho de Brahe Räderuhren. Die fini des Letzteren zeigten Minuten und Sekunden, und unter ihnen beſtand eine nur aus drei Rädern, deren größtes lich
41
unſere Cylinder⸗,
wo der genaue mittlere Gang, Minuten, doch noch der Mechanik unerreichbar blieb. Nach⸗ dem jedoch Hook der Holländer Huyghens die Spiralfeder und das Pendel eingeführt, andere engliſche Künſtler, wie Barlow(durch das Repetirwerk), Tompion, Römer und die Franzoſen de la Thire und Harriſon (1763) durch immer weiter fortſchreitende Vervollkommnung der Chronometer die geſammte Uhrmacherkunſt auf einen höheren Standpunkt gehoben hatten, konnte man mit dem Vorſchlage hervortreten, tor der Tagesordnung zu machen, und gegenwärtig iſt dieſe mittlere Zeit allgemein, und namentlich auch bei den Poſten und Eiſenbahnen eingeführt.
Wir glauben hier dieſe da gewiß einem Jeden bekannt iſt, wie weit man es in durch welches ſie in Be⸗ neueſter Zeit in der Anfertigung von Uhren gebracht hat: Ankeruhren und Chronometer im enge⸗ ren Sinne des Wortes legen dafür ein genügendes Zeug⸗ niß ab. Nur das wollen wir nicht unerwähnt laſſen, daß das Uhrmachergewerbe unſerer Tage zugleich zeigt, bis zu welcher Höhe das Prinzip der Arbeitstheilung getrieben wer⸗ den kann: im heutigen England theilt ſich das Uhrmacher⸗ gewerbe in 102 verſchiedene Zweige, werden
sher noch andere
Die Söhne Albions
„ein Engländer,
bis auf Bruchtheile von
die Schnecke erfunden,
Graham, der Deutſche
die mittlere Zeit zum Regula⸗
Skizze ſchließen zu können,
die beſonders gelernt
„ und von denen nur der des ſogenannten watch-
Zweige nebenher zu treiben geſtattet! huldigen ja aber auch ganz vornehm⸗
der Maxime: Time is money!


