Teil eines Werkes 
Band 2
Seite
554
Einzelbild herunterladen

Feierſtunden. 1865.

4-:ttrryryr

ſandte auch der Kalif Harum al Raſchid dem Kaiſer Karl dem Großen eine ſolche Räderwaſſeruhr, bei der die Stunden durch das tönende Herabfallen von Kugeln angegeben und gleichzeitig durch das Hervortreten von klei⸗ nen Reitern aus eben ſo vielen ſich öffnenden Thüren an⸗ gezeigt wurden.

Am meiſten haben im Anfange des Mittelalters wohl die Klöſter, zur regelmäßigen Abhaltung des Gottesdienſtes, einer genaueren Zeiteintheilung ſowohl des Tages, als auch der Nacht bedurft, und daher ſind es denn auch die Mönche geweſen, welche ſich zuerſt wieder mit der Verfertigung von Uhren beſchäftigt haben, mit der von Räderuhren jedoch auch nicht eher, als vor dem Ende des 12. Jahrhunderts. Man ſagt zwar, daß der berühmte Gerbert von Auvergne,

der nachmalige Papſt Sylveſter(ſt. 1003) das erſte der⸗ artige Uhrwerk erbaut habe, allein der Hiſtoriograph Bi⸗ ſchof Dietmar von Merſeburg, welcher das Kunſtwerk mit eigenen Augen geſehen haben will, iſt in ſeiner Be⸗ ſchreibung ſehr unklar, und ſeine Angabe, Gerbert habe dem Kaiſer Otto III. in Magdeburg ein Horologium ge⸗ ſtellt, deſſen exakter Gang durch Beobachtung des Schiffer⸗ ſternes geregelt geweſen ſei, ſpricht mehr dafür, daß das Kunſtwerk eine Sonnenuhr war. Auch weiß man, daß in dem Jahre, in welchem der heilige Hugo in der reichen Abtei zu Cluny ſtarb(1108), der dortige Meßner noch ſtets nach den Sternen geſehen, um zu erfahren, wann es Zeit, die Mönche zur nächtlichen Andacht zu wecken. In anderen Klöſtern brachte ein Mönch wachend und Pſalmen

Eine Tamilie, welche von Rinden lebt.

herſagend die ganze Nacht zu eine lebende Uhr und aus Erfahrung wußte man im Voraus, wie viele ſolcher Pſalmen in einer Stunde hergeſagt werden konnten. Aber kurz nach den Kreuzzügen beſaßen doch ſchon die meiſten Klöſter Räderuhren und Glocken, und als berühmt galt in damaliger Zeit namentlich das Horologium des Kloſters Hirſau, für deſſen Abwartung ein beſonderer Diener an⸗ geſtellt war. Kaiſer Friedrich II. wurde vom Sultan Saladin mit einem koſtbaren Uhrwerke beſchenkt, welches den Lauf der Geſtirne anzeigte und durch Walzen und Rä⸗ der, ja ſogar ſchon durch Federn bewegt worden ſein ſoll. Dies läßt vermuthen, daß die höhere Mechanik erſt von den damals ſo ungemein intelligenten Arabern durch die Kreuz⸗ züge nach Europa gekommen, um hier, von forſchenden Kloſtergeiſtlichen erfaßt und gepflegt, bald ſo überraſchende

Reſultate herbeizuführen. Wir kommen jetzt nämlich zu einer Zeit, wo man in der Erbauung großer und außer⸗ ordentlich kunſtvoller Uhrwerke zu wetteifern begann.

So verfertigte im Jahre 1326 der engliſche Abt Richard Wellingford eine höchſt wunderbare aſtrono⸗ miſche Uhr, die nicht allein den Lauf der Sterne, ſondern auch die Bewegungen der Ebbe und Fluth anzeigte.

Die erſte Thurmuhr ſoll Jacob Dondi in Padua zuſammengeſtellt haben und zur Zeit Dante's hat es be⸗ reits Schlaguhren gegeben...

Zwei ſehr berühmte Uhrwerke wurden um die Mitte des 14. Jahrhunderts verfertigt. Im Jahre 1352 erhielt nämlich das Straßburger Münſter das erſte aſtronomiſche und mit automatiſchen Figuren ausgeſtattete Uhrwerk(Urlei nennt es die alte Chronik). Dieſes»Horologium Argen-

tinun malic nomn welch Uhrn würd