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heit nicht gar zu geringe und enge ſei, für S. ch. Durch⸗ laucht und Gnaden ausgerichtet werden könnte.“ Ein Ge⸗ rücht wollte wiſſen, daß im„Ringkau“, d. h. im Rhein⸗ gau,„Schloß und ſtedtlein wohl verwahret und gebauet“ wären, ein Näheres aber über jene ferne Regionen war den ſächſiſchen Geographen, den Doctoribus juris wie den Doctoribus medicinae durchaus unbekannt. Demgemäß ward, wie man etwa heute eine Expedition zur Erforſchung der Nilquellen ausrüſtet, ein kurfürſtlicher Fourier Neu⸗ mann mit entſprechendem Gefolge abgeſchickt, um unter den Schloß und ſtedtlein im Ringkau die erforderlichen Ent⸗ deckungen zu machen. Der Abgeſandte entledigte ſich ſeiner Miſſion beſtens; er entdeckte ſogar— Wiesbaden, das ihm überaus behagte. Trotzdem aber rieth ſein Bericht dem Kur⸗
1 ½ Meilen Wegs von dem Brunnen und eine große Meile von Maintz, gehört dem jungen Grafen von Naſſau zu Idſtein, habe ich auch beſichtigt. Daſelbſt hetten Ew. Ch. Durchlaucht eine gutte gelegenheit und Herberge, wenn es Ew. Ch. Gnaden von dem Brunnen nicht zu weit entlegen wäre. Denn ſolch Schloß und Stedtlein wohl verwahret und gebauet, hat auch ein warm Bad alldo, kunnte Ew. Ch. Gnaden hoffgeſinde und pferdte alles wohl untergebracht werden, ſo iſt ſonſten von Victualie und Allerlei notturft aldo wohl zu bekommen.“ Neumann entſchied ſich für Schloß Ellfeld oder Ellvil, welches der Erzbiſchof von Mainz mit zuvorkommender Liberalität für den Kurfürſten zur Diſpoſition geftellt hatte. Ueber die Ermittelungen des Fouriers war indeß der Winter herangekommen, und ſo konnte die Badereiſe erſt im Mai 1584 angetreten werden. Die Kurfürſtin Anna, welche die Reiſe mitzumachen be⸗
Feierſtunden. ,1865.
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ſchloſſen hatte, übernahm es, auf derſelben für Unterhal⸗ tung und Kurzweil zu ſorgen. Sie ſchickte dem Herzog Heinrich von Braunſchweig ein paar Kannen ſelbſtgebrau⸗ tes aqua vitae und bat ſich als Gegenleiſtung für den Branntwein eine Gefälligkeit aus— das Geſchenk eines zwerghaften Sängers.„Der Herzog ſolle,“ ſchrieb die Kur⸗ fürſtin,„ein kleines menlein, das ſehr kurtzweylig ſei und wohl ſingen könne, bei ſich haben. S. L. wolle daſſelbe ihr umb mehrerer kurtzweil Willen, wo nicht genzlich zu⸗ kommen und volgen laſſen, doch nur ein halb jar leihen und vergönnen. Wenn S. L. deſſelbigen menleins je nit gar entrathen könnten und wollten, ſolle er S. L. über die vergünſtigte Zeit nit vorenthalten werden.“ Zugleich ver⸗
ſprach Anna im Namen des Kurfürſten, das Männlein,
fürſten den Beſuch dieſes Ortes ab, weil der Brunnen zu weit entlegen:„Landgraf Ludwig hat mir ein Städtlein verſehen werden.“
und Schloß verzeichnet, welches Wißbaden genannt, leidt
Namens Benedict, ſolle„beritten gemacht und mit Zehrung Ob das erbetene Geſchenk von Braun⸗ ſchweig verabfolgt wurde, darüber fehlen die Nachrichten, wohl aber melden die Nachrichten, daß, als Churſachſen zur Badereiſe aufbrach, es mit nicht weniger als 209 Pfer⸗ den geſchah, dazu noch„16 Leibpferdte des Churfürſten“, unter denen„das lichtbraun Türkiſch Roß, ſo die Römiſche K. Maj. Ihre Ch. Gnaden vor die raiße verehret“, beſon⸗ ders aufgeführt wird. Die Reiſe ſelbſt von Dresden nach Ellfeld dauerte nur 18 Tage, d. h. ungefähr ſo viel Zeit, als man heute gebraucht, um über den Ocean nach Ame⸗ rika zu gelangen.
Uebrigens ſollte ſchließlich die Vorausſicht der juriſti⸗ ſchen Fakultät gegen den Widerſpruch der Leibchirurgen ihre glänzende Satisfaktion erhalten. Die Kur bekam der preß⸗ haften Leibesſchwachheit des Kurfürſten gar übel. Nach der Heimkehr nach Dresden entwickelte ſich bei ihm eine Waſ⸗ ſerſucht, welche die Urſache ſeines Todes wurde. Auguſt ſtarb bereits den 11. Februar 1586.
Zur Zeſchichte der Ahren.
Kulturgeſchichtliche Skizze von Dr. Hugo Schramm.
Der Menſch hat die Zeit durch die Uhren reden gelehrt. Wohl denen, die dieſe Sprache verſtehen: die Stunden eilen unwiederbringlich von uns und erwarten uns als Zeugen unſerer Handlungen dort, wo Rechenſchaft zu geben unſer Aller Loos ſein wird!
„Die Zeit,“ ſagt Arago in ſeiner Populären Aſtro⸗ nomie mit den Worten ſeines Vorgängers Laplace,„iſt für uns der Eindruck, welchen eine Reihenfolge von Ereig⸗ niſſen in unſerem Gedächtniß zurückläßt, von denen wir wiſſen, daß ſie nach einander eingetreten ſind. Zum Maße der Zeit eignet ſich die Bewegung; denn da ein Körper nicht gleichzeitig verſchiedene Orte einnehmen kann, ſo geht er von einer Stellung in die andere über, indem er alle dazwiſchen liegenden Punkte durchläuft. Wird er in jedem Punkte des Weges, den er zurücklegt, von einer und der⸗ ſelben Kraft angetrieben, ſo iſt ſeine Bewegung eine gleich⸗ förmige, und die einzelnen Theile der von ihm beſchriebe⸗ nen Linie können zum Maße der Zeit dienen, innerhalb welcher ſie durchlaufen wurden.“
So iſt denn auch die Zeit in der That von jeher durch die Beobachtung von Bewegungen im Raume gemeſſen wor⸗ den, aber während wir von Kindesbeinen an, vermöge un⸗ ſerer künſtlichen und kunſtvollen Zeitmeſſer, den Uhren jeglicher Art, an eine müheloſe und doch genaue Zeitbeſtim⸗
mung als an etwas, das ſich von ſelbſt verſteht, gewöhnt ſind— fehlen doch heutzutage Uhr und Kalender ſelbſt in der ärmlichſten Bauernhütte nicht—, ſo iſt die Stunden⸗ und Zeiteintheilung den Alten recht herzlich ſchwer ge⸗ worden.
Den erſten Menſchen hat nur die Sonne ſelbſt als Zeitmeſſer gedient, und zwar iſt es der Untergang derſel⸗ ben geweſen als der am leichteſten wahrnehmbar beſtimmte Moment. So haben die Tage aus Abend und Morgen, nicht aber umgekehrt, beſtanden, da ein Anfang der Stun⸗ denzählung um Mitternacht ſo lange zur Unmöglichkeit hat gehören müſſen, als es noch keine mechaniſch bewegten Uhren gegeben hat; überhaupt ſind die Tage im Alterthume nicht in 24 Stunden oder in irgend welche andere Anzahl gleicher Theile eingetheilt worden, denn die 12 Stunden, in welche die Zeit zwiſchen Auf⸗ und Niedergang der Sonne zerfiel, waren natürlich in den verſchiedenen Jahreszeiten auch von verſchiedener Länge. Damit konnten ſich nun frei⸗ lich die Orientalen und Griechen deßhalb leichter begnügen, weil in deren Ländern der Unterſchied der Tageslängen ja nicht ſo bedeutend iſt, während man in Rom, wo die Ex⸗ treme bereits 15 und 19 Stunden ſind und auch das ſtren⸗ ger geordnete Staats⸗ und Municipalweſen eine exaktere Zeitbeobachtung erforderte, bald auf allerlei künſtliche Ver⸗
ferungen verfiel, von denen ſich in der ſogenannten


