55²2 Das Verzeichniß dieſer Perſonen bleibt allerdings immer noch ein ellenlanges. Da gibt es eine Tafel„vor der jun⸗ gen herrſchafft“, für die kurfürſtlichen Kinder. Wenn die⸗ ſelben„in irem gemach“ abgeſpeist haben, ſoll deren Hof⸗ meiſterin,„nemlich die Gerdrutt Carlowitzin,“ und die Kammerjungfrauen„in der Kinderſtuben“ eſſen, und als⸗ dann 9 weibliche Dienerinnen, als„Nacheſſer“, welche „von der ſpeis eſſen, ſo von der Hofmeiſterin und Cam⸗ merjungfrauen Tiſch übrig bleibt.“ Die letzten Reſte die⸗ ſes Tiſches bekommt eine Nachtwächterin, Vogelſteller und zwei Stubenheizer der jungen Herrſchaft. Eine zweite Tafel war zu decken„für die Perſonen, ſo im Frauenzimmer geſpeist werden.“ Den Vorſitz an dieſer Tafel führte„des haußmarſchalchs weib, die Auerßwaldin“; die übrigen Gäſte waren 7 adelige Jungfrauen und 2 Kammerjungfrauen. „Nacheſſer“ ſind hier 7 Dienerinnen und 4 Diener, darun⸗ ter„der kleine Thonius mit der naſe“. Für die dritte Tafel„inn der hofſtubenn“ unter dem Präſidium der bei⸗ den Marſchälle von Grünberg und von Auerswald nennt die Inſtruktion nicht weniger als 39 Perſonen,„allerley volk“, Kammerjunker, Edle Jungen, Böhmiſche Herrn, Drei⸗Rößer, d. h. Edelleute, die mit drei gerüſteten Pfer⸗ den in's Feld zogen, u. ſ. w. Alle werden bei Namen aufgeführt, und auch in der Reihenfolge der Plätze, der einem Jeden nach ſeinem Range gebühre. Ein Dutzend Perſonen wird an„den Karnzleitiſch verordnet“, darunter mehrere Medici, ein Hofprediger und verſchiedene Canzley⸗ Schreiber.„Einuzwanzigk Edle Knaben eſſen die, ſo von S. churf. Gn. Tafel aufgehoben werden,“ nach der Küche endlich werden zu den Perſonen,„ſo dort teglich geſpeiſet werden,“ 17 vom Küchenperſonal, 10 aus der Kellerei und 2 aus der Cammer verwieſen. Für die Marſchallstafel, deren Gäſte das„allerley volk“ bildete,„haben S. churf. Gn. wöchentlich an getrengke verordnet drei vhaß oder 15 eimer Bier und achthalbenn Eymer wein, thut jede mahl⸗ zeit 20 Stübchen Bier und 10 Stübchen wein. Die ſol⸗ len jenen auf der Reiſe ſowol alß zu hoffe gefolget werden, bleibet inen etwas übrigh, das mögen ſie zu Rath haltenn, bis ſie es bedürfen.“ Eine ſpezielle Anordnung ſchärfte den Marſchällen ein, auf Anſtand und Ruhe bei der Tafel zu halten:„in den hoffſtuben do man ſpeiſt, ſollen ſie kein wüſt geſchrey, werffen, noch ander wüſt unhofflich weßenn geſtatten, auch darauf ſehen, daß Tiſch⸗ und Handtücher, Schiſſeln und Trinkgeſchirre reinlich gehalten werden.“ Ein außerordentliches Verabfolgen von Speiſe und Trank wird ſtrengſtens verpönt:„unter den malzeitten ſoll auß Küch und Keller nichts gegeben werden, auch kein Veſper noch Schlafftrangk außer der Jungfrawen, Kochenn und Kellerknechten, wie es verordnet.“ Vorzügliche Aufmerkſam⸗ keit ſchärft die Inſtruktion den Marſchällen dahin ein, daß aus dem churfürſtlichen Haushalte nichts heimlich entfernt oder geſtohlen werde:„ſie ſollen alles heimbliche abtragenn an eſſen und tringken abſchaffen und der Guardi macht geben, die verdechtigen Perſonen zu beſuchen und do bey jemandts etwas funden, dieſelbigen zu mahnen oder nach gelegenheit zu ſtraffen.“ Auch an anderer Stelle und nach anderer Richtung hin kennzeichnet ſich die Oekonomie Sr. Churf. Gn., wenn den Marſchällen aufgegeben wird, ſie ſollen zuſehen,„daß mit Holz und Kohlen rethlich umb⸗ gangen nnd wintterzeitt nicht mehr ſtuben geheizt werden, alß zur Notturft verordnet ſein, auch keinem Stubenheizer die Aſche folgen laſſen. Desgleichen ſollen ſie verordnen, daß wintterzeitt abends und morgens die licht⸗ oder feuer⸗ pfannen angezündet und Sommerzeit die Camin und Feuer⸗
Feierſtunden. 1865.
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mauren gereiniget werden.“ Ebenſo wird den Marſchällen zur Pflicht gemacht, den Müllern und Bäckern ſcharf auf die Finger zu ſehen:„ſie ſollen auf den hoffbecken achtung geben, daß aus jedem Scheffel Dreßniſch maß waitzenmehl, 12 ſchogk Semmel und auß jedem Scheffel Rockenmehl achthalb ſchogk hoffbrodt und 30 Schaubenbrodt und alſo nach jedem Scheffel Rocken ein Centner und 29 pfundt Krahmgewicht am Brodt vermöge des geſchnittenen muſters gebacken und geliefert werden.“ Nicht minder haben die Marſchälle ein wachſames Auge auf die Erträge der Hof⸗ jagden zu richten:„auf denen Jagdreiſen ſoll der Hofmar⸗ ſchalch vleißigk zuſehen, daß von dem gefangenen Wildpret nichts veruntrauet und mutwilig verderbt werde, ſondern daſſelbig entweder bald friſch eingeſalzen und aufs erſte ins Hofflager geführt werde, wenn er auch Geſchirr und Fuhre bedarf, darumb ſoll er den Stallmeiſter der daruber befelch hat anſprechen.“ Wie es ſcheint, hatten ſich unbefugte Lieb⸗ haber des auf den kurfürſtlichen Jagden erlegten Wildprets oft und zahlreich, und das wohl in der nächſten Umgebung des Kurfürſten, eingefunden. Nach einer Jagd, die bei Codlitz abgehalten war, vermuthete Auguſt einſt, daß einige „der gefangenen Sauen nicht auf das Schloß geantwortet, ſondern heimblich verſchleift und weggebracht worden.“ Er ſchrieb deßhalb an den Schöſſer zu Dresden:„weil wir gar gerne wiſſen wollen, wo ſolche entwandthe Sawen hinkom⸗ men, ſo iſt unſer gnedigſt begeren, du wolleſt unvermerkt an den Thoren zu Dresden gar vleißigke nachforſchungen haben, ob nicht und durch wen dieſer Tage ganze oder zer⸗ wirkt Saw in unſere ſtadt Dresden eingefürt oder getragen und wohin ſie geantwortet worden und was du hinan allenthalben erfahreſt, das wolleſt uns unheimblich ver⸗ melden.“
An die letzteren Weiſungen über die Holz⸗ und Kohlen⸗ vorräthe reihen ſich die Vorſchriften über die Beaufſichti⸗ gung des Hofgeſindes. Die Hofmarſchälle ſollen„der Hoffjungkern wie der Knechte aller irer namen und Zu⸗ namen“ genau kennen. Unfrieden und Zwiſt unter dem Hofgeſinde dürfen um keinen Preis geduldet werden:„do unter Unſerem Hoffgeſinde uneinigkeit und Zwitracht ent⸗ ſtunde, die ſollen die Marſchalche guttlich hin zu legenn ſich bevleißigen, würde aber einer den andern von S. Ch. Gn. Schlöſſern und Heußern außfordern oder ſonſt mitt einander balgen, ſollen die Marſchalche handtgelubdnuß von denſelbigen nemen, einen Friede zwiſchen jenen wirken und Sr. Ch. Gn. deß berichten und ſich beſcheidts dorüber er⸗ holen.“ Der unbekannte Autor der Inſtruktion— denn daß der Kurfürſt dieſe zwar gründlich revidirt, ſie aber nicht ſelbſt eigenhändig geſchrieben hat, iſt wohl ſelbſtverſtändlich — hatte auch den Marſchällen aufgegeben, dafür zu ſorgen, „daß das Hoffgeſind hohes und niedrigen Standes mit Vleiß zur Kirchen gehen ſolle.“ Kurfürſt Auguſt durch⸗ ſtrich aber den Paſſus, indem er am Rande bemerkte: „wer nicht in die Kirch gehen wil, gotes wortt vleißig hören, ſich der hochwirdigen Sacrament gebrauchen, und ſich ſonſt nicht gottſelig halten wil, den holl der Teuffel.“ Rückſichtsloſe Strenge hat einzutreten, wenn Jemand vom Hofgeſinde ein Kriminalverbrechen begangen haben ſollte: „do jemandt vom Hoffgeſinde, wer der wäre, einen Mordt oder andere ſtraffliche unthatt begangen, ſollen ſich die Mar⸗ ſchalche ſeiner nicht annemen, noch den Gerichten in ſtedten oder Embtern weren, viel weniger den Thettern vorſchub thun, daß dieſelbigen entkommen, ſondern vielmehr die Ge⸗ richte befurdern helfen, daß die Theter zu gebürlicher ſtraff in Hafften gebracht werdenn.“
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